Ich war die Andere.

 

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Manchmal gibt es Dinge, die möchte man nicht von sich preisgeben.Dann gibt es wieder Nächte wie diese, in denen ich denke, vielleicht schulde ich mir eine Erklärung für einige Dinge und so kann man hier den Versuch der Dokumentation einer Leidensgeschichte lesen:

Es ist ein Film- und Serienklischee: Sie verliebt sich in ihn, er ist verheirtet, natürlich total unglücklich und hat sowieso vor, sich scheiden zu lassen. In den seltensten Fällen passiert dies aber und das Unzufriedensein mit der Partnerschaft stellt sich häufig nur als schwierige Phase heraus und zurück bleibt mindestens ein gebrochenes Herz. Schwierig ist es auch dann, Gesprächspartner zu finden, die nicht direkt die Moralkeule schwingen ala „Der Typ ist verheiratet, so etwas macht man nicht!“. Das dazu zwei Personen gehören, blenden die meisten dann aus.

Aber alles auf Anfang: Ich glaube nicht an  Liebe auf den ersten Blick, aber als ich ihn vor ein paar Jahren das erste mal sah, da hatte ich seltsame Gedankengänge und noch ehe ich ein Wort mit ihm wechselte, sagte mir mein Bewustsein Dinge wie „Du musst ihm gehören“. Für mich als starke, emotional unabhängige Frau ein Gefühl, dass ich nicht recht zuordnen konnte – es war beängstigent und gleichzeitig schön, so etwas fühlen zu können. Tatsächlich verstanden wir uns blind und die Sache fing wie eine große Sommerliebe an – doch nach diesem Urlaub (wir lernten uns an einem Ferienort kennen) hatte diese Konstellation von zwei Personen, die sich sehr zueinander hingezogen fühlten, keine Luft zum Überleben: Eine große räumliche Distanz, ein Altersunterschied von mehr als zehn Jahren und zwei komplett verschiedene Welten trafen aufeinander – und prallten schließlich aneinander ab.

So wurde aus einer Sommerliebe eine Skypebekanntschaft, aus dieser resultierten gelegentliche Treffen wenn jemand „zufällig“ in der Nähe des anderen war. Doch gerade als es ein paar Annäherungsversuche, die nicht mit dem Zerlegen eines Hotelzimmerbettes gab, sondern auch mal einen Kinobesuch, ein romantisches Essen oder einen Ausflug beinhalteten, lernte ich jemanden kennen. Jemand, der die Unsicherheiten zu Überbrücken schien, die er in mir aufriss. Ich kam mit dem Mann zusammen und wir hielten weiterhin Kontakt, nur sahen wir uns ab dem Zeitpunkt nicht mehr. In unseren Gesprächen redeten wir nie über meinem Partner – es war, als würden wir ihn verdrängen und obwohl ich meinen Ex sehr liebte, war ER immernoch allgegenwärtig.

Diese Beziehung endete irgendwann und das Spiel ging wieder von neuem los: Die heimliche Trefferei, stundenlanges vor der Webcam sitzen, sich ein Glas Wein einschenken und einen Film zur selben Zeit starten, sodas man die Illusion hatte, man schaue ihn gemeinsam. Der Kontakt wurde irgendwann weniger, aus täglich wurde zweitägig und irgendwann wöchentlich, ehe zwischen einem Gespräch gute 2 Monate lagen.

Ich weiß noch ganz genau, wie es an dem Tag ablief, als er mir sagte, er würde heiraten: Es war irgendwann im Dezember und ich war verkatert, denn ich tat mein Bestes daran das Klischee der betrunkenen Angestellten auf der Weihnachtsfeier zu erhalten. Irgendwann Nachmittags, als ich mir sicher war, kein Restgas mehr im Blut zu haben, machte ich mich auf den Nachhauseweg. Blöd, das ein Baustellenfahrzeug vor mir meinte, auf der Straße wenden zu müssen und ich mit meinem Ford Fiesta etwas hineinkrachte. Beim Warten auf die Polizei ploppte auf meinem Handy eine Nachricht auf: Wir müssen reden, denn  er wird heiraten und das heißt, mit uns das geht nicht mehr. Natürlich war ich geschockt. Aber gleichzeitig habe ich mich innerlich ein bisschen gefreut, denn ich dachte dies sei ein Abschluss von seinen emotionalen Fesseln die mich hielten und ich sei endlich frei von ihm. Infolge dessen beschloss ich einen Cut: Auf allen Netzwerken geblockt, Nummern gelöscht und sogar eine neue E-Mail Adresse und Handynummer legte ich mir zu, um nicht mehr in Versuchung zu kommen.

Es war seltsam, denn obwohl wir nie richtig zusammen waren, dachte ich immer, wir hätten eine Chance, man müsse dem ganzen nur noch mehr Zeit geben. Nach 6 Jahren dann der Abschied.

Vor einiger Zeit fand ich eine E-Mail in meinem Postfach. Woher er meine neue Adresse wusste, war mir schleierhaft aber ich holte tief Luft und laß einen langen Text mit Erklärungen, Entschuldigungen und Enttäuschungen. Ihm ging es nicht gut und obwohl mein Kopf innerlich schrie „Hättest du mich geheiratet, wärst du jetzt glücklich!“, litt mein Herz, denn ich wollte nicht, das er traurig und unglücklich ist.

Die nächtlichen Anrufe und Nachrichten fingen wieder an und mein behinderter Verstand versteifte sich auf eine aufkeimende Hoffnung, dass es doch noch ein Happy End für uns geben könnte. Wir redeten nie über seine Frau und meine eventuellen Dates oder Partner, denn wir beide blendeten diese aus – wahrscheinlich aus Selbtschutz und Angst vor Konfrontation mit der eigenen, miesen Situation.

Eines Nachts, als wir beide nicht schlafen konnten und miteinander redeten am Telefon, hörte ich plötzlich eine Frauenstimme im Hintergrund und dann riss die Verbindung – ohne ein Tschüss  oder ähnliches Grußwort, ab.

Ich saß da, alleine vorm Handy und mir wurde etwas klar: Ich bin nicht seine Frau, seine erste Wahl. Ich bin die andere, die Affäre die man eigentich nie sein möchte und trotzdem war ich in diese Situation hineingeraten.

Ich verstand plötzlich die Frauen aus den Serien und Filmen, die darauf pochten, dass ihre Männer endlich die Erstgewählte verließen. Dennoch wollte ich keine von ihnen sein.

Seit dem abrupt geendetem Telefonat sprachen wir nie wieder miteinander.

 

Nina

 

 

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Warum ich erst wegziehen musste, um meine Heimat zu mögen.

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Ich komme aus dem Saarland, quasi dem McRib unter den Bundesländern. Einfach und anspruchslos, riecht etwas nach Zwiebel.

Doch seit ich mich erinnern kann, wollte ich da eigentlich nur weg und sobald es eine Gelegenheit gab, war ich ab Vollendung des 18. Lebensjahres auch immer auf Achse, bis mich meine Berufsausbildung und Exfreund doch wieder an das Land mit dem inzestiösen Ruf zwischen Mosel und Saar zog. Als Heimat konnte ich dieses Fleckchen Deutschlands (welches mal französisch, mal autonom und dann wieder deutsch war) irgendwie nie bezeichnen. Ich weiß gar nicht so recht woran das lag, immerhin waren Freunde und Familie hier angesiedelt. Als Jugendliche hatte ich allerdings nur wenige Freunde und die Familie war auch irgendwann zerstritten.

Ich begann, eine gewisse Perspektivlosigkeit zu sehen – für das Berufsleben und auch im Privatem fühlte ich mich immer sehr eingeschränkt, denn ich bin neugierig und eine Entdeckernatur und in einem Bundesland, in denen nur knapp eine Millionen Menschen wohnen, wiederholten sich die Gesichter, die Veranstaltungen, die Probleme und die Freuden. In meiner Heimtstadt ist zum Beispiel ein Date unmöglich, weil die einzige Bar, die kein Assischuppen ist, immer voll ist und da alle hingehen – etwas, was man bei einer Verabredung nicht unbedingt brauch. Also weicht man in die nächste Stadt aus – wo man prompt den Ex begegnet, der ebenso in diese Stadt auswich.

Für mich war immer schon ein bisschen klar, dass ich nicht dahin gehöre. Als ich in Urlaub von einer größeren Stadt aus flog, war ich immer fasziniert von der U Bahn: Einfach zur Haltestelle gehen und warten, bis die nächste Bahn kommt, während man im Saarland ausgiebig den Fahrplan studieren muss oder auf ein Auto angewießen ist, denn während es in Frankfurt normal ist kein Auto zu besitzen, heißt es im Hinterland südlich von Luxembourg dann immer nur, wenn man sagt man habe keines: „Warum nicht?“, mit dem Unterton: Was stimmt nicht mit dir?

Die logische Konsequenz für mich war: Job in der Großstadt suchen, Wohnung dazu, meine 700 Sachen packen und weg. Ich wachte von nun an mit Skyline- statt Weideblick auf. In meiner neuen Heimat fühle ich mich nun sehr wohl, aber letztens kam ein Gefühl auf, welches ich nicht so richtig zuordnen konnte: Ich vermisste ein bisschen meine Freunde, Familie und auch die Pampa. War das Heimweh? Dafür musste ich es wagen: Ins Land von Karlsberg Ur Pils und Dibbelabbes reisen, wo Milch und Maggi fließt.

Siehe da: Ich wusste die Intimität der Kleinstadt plötzlich zu schätzen: Nicht 2 Stunden lang einen Parkplatz suchen, Pfand ist keine hart umkämpfte Währung mehr und man kann sich tatsächlich bei Menschen Zuhase treffen, da sie mehr als 1-2 Zimmer bewohnen – auf dem Land muss man nämlich nicht für Mieten sein Erstgeborenes verhökern. Sonntags wird um 12 Uhr gegessen, egal ob man verkatert , wach oder überhaupt anwesend ist und wenn Nachmittags kein Kuchen auf dem Tisch steht, wird deine ganze Weltanschauung in Frage gestellt.

Auch habe ich die kleinen Feste, die mir vorher so öde vorkamen, zu schätzen gelernt. Ausflugsziele, die mir sonst Gähnen bereiteten, trete ich nun gerne an und genieße Land und Leute. Auch wenn mich in Frankfurt Leute nach meiner Herkunft fragen, reagiere ich nicht mehr nur negativ und lästernd über das Saarland, sondern erwähne gerne auch die Vorzüge und die schönen Ecken.

Dennoch, bin ich wieder froh nach ein paar Tagen auf dem Land wieder in die S Bahn steigen zu können.

Meine Zukunft sehe ich weiterhin eher in einer Metropole – aber wegzuziehen hat mich ironischerweise meiner Heimat etwas näher gebracht.

 

Nina

 

Dinge, die man nur kennt, wenn der beste Freund männlich ist.

 

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Ich liebe meinen besten Freund. Er ist wie der schwule beste Freund, den sich alle Frauen wünschen, aber in Hetero. Wir fahren in Urlaub, verbringen Freizeit und haben sogar schon dem anderen auf der Arbeit ausgeholfen – ohne dabei irgendwas mit Romantik zu verbinden, ganz im Gegenteil. Mit Männern habe ich mich schon immer besser verstanden als mit Frauen, vielleicht kam es daher, dass  ich bei einem Aufwuchs, denn selbst meine beste Freundin aus Teenagerzeiten benahm sich immer sehr maskulin. Da in vielen Köpfen es diese Konstellation aber schlichtweg nicht geben kann, wahrscheinlich aus eigenen Erfahrungen oder tausende Hollywoodfilmen geprägt, hier ein paar Klassiker, auf die man sich einstellen muss, wenn der beste Freund ein anderes Geschlecht hat:

Neue Partner sind grundsätzlich skeptisch.

        Da landet die Person die du datest auf deinem Instagram oder Facebookaccount und  da springen ihr/ihm erstmal  ein paar Fotos von deinem besten und dir entgegen. Beim Grillen, beim Frisieren und beim Rücken-vor-einem-Date enthaaren. Für einen selbst ganz normal, aber für die stalkende Datingbekanntschaft ein Grund dafür, Screenshots zu machen, diese an enge Freunde zu schicken mit dem Betreff „Meinste da geht was?“. So ist es keine Seltenheit, dass mir ein Like von jemandem angezeigt wird, den ich nicht kenne – mein bester Freund aber schon. Will mann dann auf die Benachrichtigung gehen, weg – verschwunden. Ist da jemand bei recherchen etwa ausversehen auf den Likebutton gekommen? 😉 Auch wird viel in Persona nachgefragt: „Und diese Nina….hat die auch einen Freund?“ sind nicht nur investigative Fragen zu mir, sondern generell zur Freundschaftsebene.

2. Man  selbst  ist skeptisch neuen Partnern gegenüber.

Es ist wie bei Geschwistern oder Eltern: Erzählt man von jemand neuem in seinem Leben oder wagt es ihn gar vorzustellen, muss man durch einen TÜV, den nur Angehörige und gute Freunde durchführen können: Ist das polizeiliche Führungszeugnis unbefleckt, der Job adäquat und der Lebenslauf gecheckt, dann kann man der Person vielleicht vertrauen. Aber im ersten Moment ist man doch eher kritisch, nicht aus Eifersucht, sondern weil man nur das beste für seine nicht-sexuell-anziehende bessere Hälfte möchte und sollte jemand es wagen, diese Person zu verletzen, dann wird ordentlich geshitstormt und deren Haus geklopappt. Generell lautet die Regel: Bis die/der Neue bewiesen hat, dass er nicht scheiße ist, ist er/sie es.

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3. Keine Geheimnise, keine Berührungsängste, kein Ekel.

Vor kurzem waren wir zusammen shoppen. Die Umkleiden im Ralph Lauren Laden waren in einem sehr engen Gang und ich wartet davor, bis Monsieur sich umgezogen hatte, bis eine Verkäuferin mich bat, nicht im Gang rumzustehen, sondern entweder wieder in den Verkaufsraum oder IN die Kabine zu gehen. Ich schaute sie verdutzt an, denn wenn sie dies auch bei Paaren macht, will ich nicht diejenige sein, die die Sauerei bei Ladenschluss wegputzt. Ich verschwand dann mit in die Kabine. Auf jeden Fall gibt es keine Berührungängste, wobei man sich nicht wirklich berührt. Man erzählt sich vom letzen Stuhlgang bis hin zum letzen Koitus den man hatte, mal mehr mal weniger detailiert, aber immer hochinteressiert.

4. Flirten ist nicht ganz so einfach.

Wenn ich alleine oder mit anderen Frauen unterwegs ist, kommt es schon einmal vor, dass ich für den ein oder anderen Drink nichts zahlen muss. Ok, es kommt häufig vor. Ok, manchmal gehe ich mit mehr Geld als ich gekommen bin nach Hause und das nicht, weil ich unmoralische Angebote auf Gaststättentoiletten angenommen habe (gabs alles schon), sondern weil je nach Veranstaltung es Pfand auf Becher oder Flaschen gab. Jetzt gibt es das urbane Märchen vom Wingman: Jemand, der einem anderem hilft, etwas aufzureisen. Das mag bei der konstellation Frau-Frau Mann-Mann gut passen, aber bei Frau-Mann wird es da schon schwieriger, denn natürlich denken alle in erster Linie man ist ein Paar und versucht man DANN noch zu flirten, wird schnell angenommen, man sucht Gesellschaft für einen Dreier oder andere Spielchen. So muss man aufpassen, dass nicht direkt der erste Satz, den man raushaut nicht „Das ist nicht mein Freund“ ist.

5. Auch Verwandte fragen sich, was da los ist

Vielleicht ist es einfach ein Ding meiner Generation, aber wenn ich Mama, Papa oder meiner Schwester erzähle, dass ich etwas mit einem Freund unternehme oder in Urlaub fahre, denken sie automatisch IMMER da geht was. Was das sein soll ist mal ihnen selbst überlassen, aber nachggebohrt wird trotzdem.

6. Komische Mutmaßungen von anderen

Kennt ihr noch die früher 2000er Avril Lavinge? Die, die sich eine Krawatte umband und mit ein paar Jungs ein Einkaufceter auseinander nahm? Irgendwie kennen wir alle so ein Mädchen und diese müssen sich auch immer vieles anhören: „Du bist ja heimlich in ihn verliebt, willst es aber nicht zugeben, weil dann die Freunschaft kaputt geht“ oder „Du willst ja nur Aufmerksameit“ sind nur ein paar Dinge, die dann getuschelt werden. „Warum seid ihr eigentlich nicht zusammen, ihr passt doch so gut“ oder „Versucht es doch einfach“. Ihw, ich versuche doch auch nicht einfach, meinen Bruder zu küssen.

7. Sehr sehr gute Datingtipps

Ja, Menschen sind unterschiedlich. Jeder steht auf etwas anderes. Aber wenn es um Männer geht, wer kann die Denkweise solcher besser nachvollziehen, als ein Mann? Gerade wenn wir wieder einen mentalen Zusammenbruch haben und ihm nicht schreiben, weil  er dir nicht schreibt und du ihm nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt, du ihm aber eigentlich schreiben willst, aber aus Prinzip nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt hilft da einen Sprung in die Gedankenwelt eines Mannes, geführt von einem besten Freund. Auch andersrum kann man vertvolle Tipps, die wahrscheilich sowieso nicht beachtet werden, geben.

 

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Das Fremdschäm Phänomen

 

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Wer Freitag Nachmittag mit den Öffis fährt, ist entweder nicht bei klarem Verstand oder eine arme Sau. Lassen wir am besten die Diskussion aus, zu welchem der beiden Optionen ich passe.

So kam es, dass ich dreißig Minuten vor dem geplantem Eintreffen meines Schienenverkehrsmittels am Bahnsteig stand und wie immer mit dem Snackautomaten in Sichtweite liebäugelte. Eigentlich bin ich ja auf Diät, nun gut, dass bin ich immer, nur mal mehr, mal weniger. Ich verkniff es mir und fummelte stattdessen den Low-Carb-High-Protein-extra-Fiber-Master-Blaster-Verstopfungs Riegel heraus und kaute auf der zähen gummiartigen Masse herum. Der Bahnsteig füllte sich langsam mit Wochenendheimfahrern, Offiziell-auf-eine-Konferenz-in-München-aber-sich-mit-der-Affäre-treffen-Fahrer und Studenten. Der Bahnsteig füllte sich weiterhin. Eigentlich hörte er kontinuierlich nicht damit auf und irgendwann sah ich in dem Getümmel nicht mahl mehr den Snackautomaten. „Das wird kuschelig“, dachte ich mir, als der Regional Express einfuhr. Die Menschen drängten sich an die Türen und ich sah meine Chance auf ein gemütliches Nickerchen schwinden.

Mein Wagen war so voll, dass es irgendwann nicht mehr nach vorne und hinten ging. Kleiner Tipp an Reisende: Wenn dir Menschen entgegenkommen, gibt es in deren Richtung auch keine Plätze mehr. Ich quetschte mich zur nächsten Tür durch um auszusteigen und zu einem der hinteren Wagen und gelangen, da ich hoffte, dort sei weniger los, immerhin ist die Menschheit faul und kaum einer läuft bis zum Ende des Bahnsteiges. Als ich mich gerade vor der Mitte des Zuges befand, erhellte ein schrilles Pfeifen meine Ohren und die Ansage „An Bahnsteig 9 bitte einsteigen, der Zug fährt ab“ brachte mich dazu in die nächstmögliche Tür zu hüpfen.

Das war ein Fehler.

Auch hier standen die Personen in den Gängen und ich sah mich inmitten eines schlecht produzierten SAT 1 Filmes mit Annette Frier wieder: Ich stand zwischen rosa, hugotrinkenden Tütüträgerinnen. Eine von ihnen trug eine Scherpe, auf der „Germanys next Top Wife“ stand. Ich war in einen Junggeselinnenabschied geraten, quasi der Rolls Royce unter den Trashgründen zu feiern, direkt nach Fasching (mir ist es egal ob man es woanders Karneval nennt!) und der Scheidungsparty. Ich hörte sie durch meine Kopfhörer quietschen, lachen und „crazy und ungezügelt“ sein. Ich weiß, die Tradition des Junggesellenabschiedes ist schon etwas älter, aber wann und warum herrgott wurde  Steak & Strippschuppen mit Bauchladen & Fremdscham ersetzt?

Ich freue mich für mich für alle, die den Schlund, ich meine Bund fürs Leben eingehen und den richtigen Partner gefunden haben. Aber ich verstehe nicht, warum man dies mit einem vorehelichen, peinlichen Besäufnis in einer fremden Stadt zelebrieren muss.

Ich wette, der Jungesellinnenabschied der Truppe sah wie folgt aus:

Acht Wochen vor der Schächtung, äh Hochzeit erstellt die Trauzeugin eine Whatsapp Gruppe mit dem Namen „JuGeA Köln 2017“. Hinzugefügt werden Freundinnen, Schwestern und Arbeitskolleginnen der Braut. Man fährt in eine nächstgrößere Stadt, denn insgeheim hat man schon Bock auf die Sause, aber keinesfalls in der heimischen Region, weil man weiß das die ganze Aktion ziemlich peinlich ist.

Die Brautjungfer schreibt Datum, Abfahrtszeit und Kosten in die Gruppe. Zwei verlassen die Gruppe sofort, da sie nicht einmal wussten das die Person heiratet und dem Rest passt das Datum nicht, da entweder die Großtante des Freundes an dem Tag stirbt oder die Katze die Krallen geschnitten bekommt. Schicht tauschen ist 2017 sowas von oldschool, immerhin können sich die anderen ja anpassen. Nachdem der Termin erst eine Woche vor und danach drei Wochen zurück verschoben wurde, landete man wieder beim ursprünglichen Datum und plötzlich können alle doch. Der nächste Disput kommt bei der Auswahl des Etablissements, in dem genächtigt wird: Das ursprünglich ausgewählte Hotel ist einer zu teuer, sie könne es sich nicht leisten und überhaupt seien 11 Euro für ein Frühstück unzumutbar, das sind immerhin 22 Mark. Sie esse ja morgens eh nur ein halbes Konfitürebrötchen. Zum Ausgleich schmiert sie sich allerdings noch vier weitere, die sie in Lagen von Servierten einpackt- für später. Sie hat ein Hotel gefunden, nur 50 km außerhalb von Köln – mit der S-Bahn seiek man da in nur 45 Minuten. Nachdem die anderen zugestimmt haben, für sie zusammenzulegen, soll es nun doch das schicke Hotel in Domnähe in der Innenstadt werden – leider ist aber Messe an diesem Wochenende und so sind alle verfügbaren Zimmer nach der dreitägigen Diskussion weggeschnappt. So bucht das Ensemble sich im schäbigen Hostel in Köln-Deutz ein. Frühstückspreis: 17 Euro.

Die Frage nach dem Transportmitteln ist schnell geklärt: Fahren will keine, nicht wegen des Alkoholkonsums, denn eine die nichts trinkt ist garantiert immer dabei, sondern weil sich keine von den Kleinstadttrullas traut in die große Stadt reinzufahren – Dreispurige Autobahnen? Welch Teufelswerk! Auch der Fernbus fällt weg, weil ein Mitglied der Gruppe eine Spiegel TV Doku gesehen hat, wie hoch die Unfallstatistik bei Fernbussen ist und das die Mitarbeiter ausgebeutet werden. Sie trug dabei einen Pyjama von Primark.

Die Bahn soll es sein. Da der direkte Weg aber scheißteuer ist und sie noch nie was von Sparpreis gehört hat, wird es ein quer durchs Land Ticket mit dem man nur Regionalverkehr fahren darf – und schwups, nach nur 5x umsteigen und einer halben Reise durch die Republik ist man auch schon am Ziel.

Ein paar Tage vorher besorgt die Organisatorin des Ganzen wichtige Gegenstände: Ein Krönchen, Zauberstab und eine Palette Schenkelspreizersekt gehen bei Kik und Tedi über die Ladentheke. Sie bestellt im Internet rosa Shirts mit dem Aufdruck „Braut Security“ und verschreibt sich dabei. Egal, wird schon keiner merken.

Dann kommt auch schon der große Tag: Frühmorgendlich wird sich am Bahnsteig getroffen. Der Bräutigam fährt die völlig überraschte Braut zum Bahnhof. Sie hatte gar nichts geahnt, auch nicht als man ihre Kleidergröße oder Ausweisnummer haben wollte.

So wird gelacht, getrunken und auch geweint, bis die erste zur Porzelanabteilung muss: Empörung macht sich breit, wie könne es denn sein, dass eine Toilette so aussieht. Vielleicht sollte sie den Typen im nächsten Abteil fragen, der stehend im Zug meinte, pinkeln zu müssen.

Die Exzesse reicht bei jeder bis zwei Hugos, dann wird „sich gezügelt, sonst schläft man so früh ein“. Die Nichtstrinkende nippt an ihrer Ingwer-Orange Bionade.

In Köln angekommen stürmt die Bande dann aus dem Zug, um festzustellen, dass man Hunger hat. Es wird in die erste verfügbare Fast Food Bude am Bahnhof eingefallen, was der geizigen Trulla missfällt, denn 3 km weiter ist doch alles viel günstiger. Sie lädt sich noch schnell die McDonalds App herunter und spart so beim Kauf von 20 Chicken Nuggets und einer Cola 0,30 Cent.

Mittlerweile hat die Gesellschaft ein Tief, denn man ist ja gefühlt schon ewig unterwegs. Nachdem man erstmal die falsche U-Bahn und dann die falsche Tram genommen hat, kommt man abgekämpft im 12 Bett Hostelzimmer an. Eine schläft, eine geht Duschen, eine kotzt und eine isst weil sie eben nicht satt würde. Die Braut versucht ihren zukünftigen Göttergatten zu erreichen, aber keine Nachricht geht raus. Sie weiss, das er auch seine verlorene Freiheit feiert und denkt sich, dass im Strippclub sehr schlechter Empfang ist.

Nachdem kleinen Päuschen geht es in die Innenstadt: Bewaffnet mit Bauchladen, Kondomen, Klopfer und anderen unwitzigen Dingen wie „Eiershampoo“ oder „essbare Strings“, die die Braut verkaufen muss um Geld (wofür auch immer) zu sammeln werden vorzugsweise junge männliche Passanten belästigt. Nach einem Verlustgeschäft von umgerechnet zwölf Euro geht es in eine Altstadtkneipe, in denen sich drei andere, männliche Junggesellenabschiede befinden. Die Braut ist quasi unsichtbar, aber der Rest der verrückten Hühner wird pausenlos angebaggert, immerhin sind sie ja hier, um Spaß zu haben. Das auch Brautjungfern, Trauzeuginnen und Freunde der Braut vergeben sein können, wird schlicht für ein Mythos gehalten. Irgendwann wird ihnen die Belästigung zu viel und sie zischen wieder Richtung Hostel ab, nehmen aber erst die falsche S-Bahn und dann den falschen Bus. Um 22.30 fällt die Gruppe dann fertig in ihre Doppelstockbetten, ehe sie am nächten Morgen bepackt mit 10 selbstgeschmierten Hostelaufbackmarmeladenbrötchen die Heimreise antreten – Was ein verrückter Junggesellinnenenabschied.

Solle ich einmal heiraten, möchte ich einen Klassiker: Steak und Stripper oder einen Wellnestag. Sollte jemand einen crazy-in-andere-Stadt-fahr-Jungesellinnenabschied organisieren, waren wir einmal Freunde.

Das kulturelle Intermezzo von Joghurt und Wasserpfeife

 

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Irgendwann in den 2000er waren sie da: Coffeeshops. Nicht die, die  in Amsterdam für botanisches Vergnügen sorgen, sondern solche, in denen man sich einen fettfreie Soja-Latte Macchiato mit Pumkin Flavor und koffeeinfreien Espresso Shot bestellte und sich irsinnig freute, sein halbes Monatsgehalt dafür hinblättern zu dürfen. Der To Go Becher: Ein Statussymbol. Wenn man dann fertig mit Selfies war, war die Rotze wieder kalt und ungenießbar. Irgendwann hielten die Kapselmachinen Einzug in die Haushalte und den Leuten wurde klar, dass sie für den gleichen Preis auch pulverisierte Milch durch ein Gerät jagen können und gleichzeitig noch etwas für die Umwelt tun, indem sie den fair angebauten Bio Kaffee in unrecycelbaren Plastikkapseln kaufen.

Danach kamen die Bubbletealäden: Tee, der eigentlich nur Sirup mit Leitungswasser war wurde mit Kügelchen aus pflanzlichem Material gefühlt. Normalerweise sträubt sich jeder normaler Mensch außer Franzosen freiwillig glibberige Sachen zu konsumieren, aber da wir plötzlich alle asiatisch jugendlich waren  und Hello Kitty nun auch von über 25 Jährigen vergöttert wurde (Das ist eine Strichzeichnung von einem Kätzchen, gehts noch?) liefen wir natürlich alle mit einem Plastikbecher mit nachgemachtem Strawberry-Peach Kaviar rum und fanden die geschmackslosen Kügelchen natürlich total kawaii.

Jeder Trend flacht einmal ab, und so zogen in die leeren Bubbleteageschäfte Frozen-Joghurttempel rein. Joghurt, das ist gesund, das wollen die hippen Clean-Eating Instagrammer. Gefrorener Joghurt ist einfach soviel gesünder als Eis mit Joghurtgeschmack. Außerdem klingt es cooler.  Aber da dies doch etwas fad ist und keinesfalls mit dem Geschmack eines 1€ Ikea Softeises mithalten kann, wird das fermentiererte Milcherzeugnis im gefrorenem Zustand gepimpt. Mit Toppings. So kann man sich kiloweise Gummibärchen, Oreokekse, Browniestückchen, Käseräder und/oder das Jagdergebnis einer kanadischen Großfamilie im Spätherbst auf seinen gesunden Snack streuen – Das sind ja alles total gesunde, langkettrige Kohlenhydrate und Proteine.

Nun wurde durch den Verzehr von Frozen Joghurt und dessen crunchy Begleiter keiner über Nacht schlank und so verschwanden auch diese Läden aus  pulsierenden Innenstädten wie zum Beispiel  Oer Eckernschwick. Dann wurden wieder Bretter and Ladenlokale genagelt und lehrstehende Shops auf Ebay Kleinanzeigen verramscht.

Zeit für einen neuen Jugendkult: Die Shisha!

Wenn sich AFD Sympathisant Jürgen, Alpha Kevin Calvin und das Spießermädchen Lisa an einem Tisch  zusammenfinden um sich eine orientalische Pfeife mit Pfirsisch-Eistee-Minzgeschmack zu teilen, ist das nicht Utopia sondern Ali`s Shisha „Cafe“. Lisa, die sonst einen Hygiene-Tick hat und vor, nach und am liebsten während des Geschlechtsaktes duscht, teilt sich mit 2 Typen das vollgesabberte Mundstück- so macht man das eben in der arabischen Kultur. Calvin bestellt sich eine große Cola und sieht beim Bezahlen, dass er nur noch 5 Euro hat und die Shisha nicht mitbezahlen kann – zum 6. mal diesen Monat. Er verspricht den anderen beiden, das nächste mal alles zu übernehmen. Er fühlt sich Gangster, denn er hat jetzt brutale Schulden und hängt beim Ausländer ab. Währenddessen wird Lisa ganz locker von ihrem türkischen Apfeltee und die Wirkung der Shisha. Sie fühlt sich so hardcore wie Rihanna damals, als „Good girl gone Bad“  erschien. Jürgen, der AfD wählt weil er Patriot ist (das ist was ganz anderes als rechtsradikal sein, er ist einfach nur um das Wohl der Deutschen besorgt – außerdem kann er die linksgrünversiften Bahnhofsklatscher, die seine Meinung nicht teilen, nicht leiden, da sie von Heiko Maas bezahlt werden und  gleichzeitig Rentner  Pfandflaschen sammeln gehen müssen), sich aber ab und an gerne mal einen Döner reinzieht, bestellt sich einen „Ladykiller“: Orangensaft, Grenadine und Pfirsichlikör. Heute eskaliert er richtig. Um 22:00 Uhr muss Lisa leider verschwinden, da ihr Parkticket abläuft – sie fragt sich allerdings, ob sie unter dem Einfluss solcher Drogen überhaupt noch fahren darf.

Was meint ihr, was nach dem Shishahype kommt? Einhorn- oder Katzencafes?

Kann man es verlernen, eine Beziehung zu führen?

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Seit kurzem habe ich, die Reinkarnation der modernen Singlefrrau, einen Freund. Bevor jetzt die allgemeine Panik ausbricht: Natürlich besteht der Blog, meine Geschichten und Ansichten weiterhin, denn es ist ja noch lange nicht alles gesagt.

Wenn man nun längere Zeit, so wie bei mir zwei Jahre, Single ist, gewöhnt man sich bestimmte Marotten an: Ich zum Beispiele habe irgendwann aufgehört, für mich alleine zu kochen, weil es manche Lebensmittel nur in Verpackungsgrößen für siamesische Großfamilien am Sonntagmittag gibt und weil mir das Geschirrspülen immer zu lästig war. So erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, wenn man Miracoli im Topf erwärmen für ein romantisches Dinner wählt, denn man ist ja nur Essen aus der Mikrowelle gewöhnt.

Aber mal im Ernst: Es gibt zwei Faktoren, die bestimmen, wie wir uns in einer Beziehung verhalten und was wir von ihr erwarten: Unsere Zeit als Single und vorangegangene Beziehungen.

Es gibt keine Beziehungsbibel und wenn ich in Magazinen oder anderen Blogs lese „10 Dinge, die man als Langzeitpaar getan haben muss“ oder „Ihr passt nicht zusammen, wenn..“ kommt mir dezent die 11 mit süßsauer Soße und Leis wieder hoch. Wenn sich zwei Menschen finden, dann hat dies einen Grund oder im Idealfall mehrere Gründe. Ob diese Gründe zu einer festen zukunftstauglichen Beziehung führen zeigt die Zeit und für diese Zeit brauch man ein Scheißteil, welches sich Geduld nennt.

Diese Zeit, in der man ineinander verliebt ist aber sich doch noch aneinander gewöhnen muss, ist eine Achterbahn an Gefühlen und leider auch an – Zweifel. Nicht an seinem Partner, sondern vor allem an sich selbst: Man ist neugierig, möchte sich in den Alltag des Partners integrieren und hat Angst, das es alles „Zu viel“ ist. Oder das Gegenteil, man ist noch schüchtern und möchte den Partner nicht überrumpeln- hat aber Angst, dass dieser es als Desinteresse an sich wertet.

Das bringt mich zu der Frage, ob man es verlernen kann, eine Beziehung zu führen und erst wieder erlernen muss? Man sagt immer, Fahrradfahren verlernt man nicht. Nun ist das Prinzip „Fahrrad“ international gleich: Zwei Räder, zwei Pedale, lostreten. Menschen sind komplex und es gibt leider keinen Guide für den optimalen Umgang in einer Beziehung mit allen Menschen. Das muss man selbst herausfinden. So kann es sein, das plötzlich Dinge, die man für normal hielt, in den Augen des neuen Partners seltsam sind. Bei mir ist es zum Beispiel die Jogginghose: Wenn ich von meiner Schicht nach Hause komme, ist das erste, was ich tue, die unbequeme Dienstbekleidung loswerden. Manchmal wird das ausgezogene Kleidungsstück durch eine Schnellfickerhose ersetzt, manchmal auch nicht. Mein Freund schaute nicht schlecht, als ich ohne Vorwarnung mich umzog. Da hatte ich wohl verbummelt, das wir noch in der Phase sind, in der man sich schick füreinander macht („Der alte Fetzen? Das habe ich schnell drübergezogen“).

Oder Essen: Da macht man sich ein Nutellabrot und denkt einfach nicht daran, den anderen zu Fragen, ob er auch etwas möchte. Das ist kein Geiz, wobei ich bei Nutella dieses Verhalten verstehen würde, aber man denkt einfach nicht daran.

Ein weiterer Faktor, den einen Zweifeln lässt, ist der Vergleich der vorherigen Beziehung mit der neuen. Vor meiner zweijährigen Auszeit aus dem Pärchentum war ich drei Jahre in einer Beziehung. Nach solch einer langen Zeit ist die Kennenlernphase schon längst vorbei, man wohnte schon zusammen und jede Bewegung, Essen und Konversation waren routiniert. Ich vergleiche das gerne mit einem Ladebalken, jede Beziehungsphase hat so einen und in der Wir-wohnen-schon-Zusammen-Phase war dieser Balken schon gut bei 98 Prozent, ab der Hundert würde dann der nächte, entweder der Schwanger, Heiraten oder Wir-haben-alle-unsere-Wertsachen-verkauft-und-eröffnen-jetzt-eine-Biostrandbar-mit-selbstgebrauten-alkoholfreien-Bieren-in-Thailand Balken folgen. Nun ist der Fehler, dass man oft an diesen Anknüpfen will, aber beachten muss, das man erst bei 2% des Kennenlernens ist.

So finde ich es zum Beispiel seltsam, in einer Beziehung zu sein und trotzdem nach der Arbeit heimzukommen, ohne das jemanden auf einen wartet. Aber nicht, weil mein Freund nicht will, sondern weil mein einfach nochmal neu startet und lernen muss, wie man sich in dieser Beziehung mit diesem Menschen verhält.

Explodierende Mieten: Dauersingles haben Schuld!

Vor kurzem musste ich  als Alleinstehende auf die Jagd gehen, um die passenden vier Wände zu erlegen. Dabei gab es einige kuriose Situationen und ich fragte mich, wieviele Stories da wohl erst Immobilienmarkler auf Lager haben. Deshalb habe ich mir einen Gastautor vom Fach ins Boot (oder eher die Wohnung) geholt, nämlich Richard Nitzsche, der heute mal ein wenig aus dem Nähkästschen plaudert:

 

Als Immobilienmakler im Mietmarkt begegnen mir ständig Singles. Einzigartige Personen, mit eigenen Ansichten, Träumen und Wünschen. Und doch gleichen Sie sich. Sie tragen die selbe Bürde – plötzlich oder gänzlich allein zu sein. Auch auf Wohnungssuche lassen sich erstaunliche Ähnlichkeiten beobachten, die ich in drei Kategorien unterteile:

Kategorie A: Der Getrennte  

Zwischen zwei Arten frisch getrennter Singles muss der qualifizierte Makler unterscheiden: Der Getrennte und der Getrennt-wordene.

Der Getrennte ist ein anspruchsvoller Mietinteressent. Zumindest in der ersten Zeit. Er hat gerade seine Beziehung beendet, um seine aktuelle Lebens-Gesamtsituation zu verbessern: Bessere Wohnung, besseres Auto – besserer Partner? Wohnungssuche und Partnersuche des Getrennten verlaufen dabei in beeindruckender Symbiose: Zunächst besichtigt der Getrennte die schicken Penthäuser im Stadtzentrum: Blick über Frankfurt, Panoramafenster, Marmorboden mit Fußbodenheizung – vielleicht gibt es sogar einen Pool. Leider kann der Getrennte beim schicken Penthouse nicht landen. Das nötige Kleingeld fehlt.

Nach einigen erfolglosen Anläufen erkennt der Single, dass der Traum vom schicken Penthouse eine Illusion war. Jetzt interessiert er sich für die mittelhübschen Wohnungen am Rand des Zentrums. Nach kurzer U-Bahnfahrt ist die Innenstadt noch gut erreichbar. Mit ein bisschen Glück liegt im Wohnzimmer Parkettboden und kein Billiglaminat. Er könnte sich die Wohnung leisten, er wäre sogar der Richtige, der genau passende Mieter – doch leider ist die Konkurrenz der anderen Interessenten so groß, dass er doch nie zum Zuge kommt. Trotz vieler vergeblicher Anläufe und ausreichender Qualifikationen. Nüchtern oder betrunken. Mit Wingman und mit-ohne.

Nach einigen Monaten treffe ich in einer Besichtigung den inzwischen verzweifelten Getrennten wieder.

Er ist ausgehungert nach Wohnraum. Er fürchtet für immer auf der Straße zu sitzen und ganz ohne Wohnung den Rest seines Lebens bestreiten zu müssen. Schließlich mietet er ein heruntergekommenes Schlaf-Duschloch am Stadtrand. Nach 10 Minuten Fußweg zur S-Bahn-Station ist er noch 30 Minuten mit dem Sozialschlauch ins Zentrum unterwegs. Er nimmt das Schlaf-Duschloch, denn es ist gerade frei.  Es stand schon lange leer. Die Immobilie ist eine echte Notlösung, aber er will einfach nicht länger alleine sein. Weinend sitzt er einige Wochen später im winzigen, unrenoviertem Wohnzimmer zwischen vergilbtem Laminatboden und unausgepackten Umzugskisten und bedauert, die alte Wohnung jemals aufgegeben zu haben. Erst jetzt weiß der Getrennte sein altes Zuhause zu schätzen. Er vermisst die Geborgenheit und bedauert zutiefst, mit welcher Leichtigkeit er vor einiger Zeit die Kündigung unterschrieb. So gerne hätte er seine alte Wohnung jetzt zurück, doch sie wurde leider gerade wieder vermietet. An einen hübscheren Mieter…

Kategorie B: Der Getrennt-wordene

Für den Getrennt-wordenen ist in der Zeit der Wohnungssuche alles furchtbar. Er betrachtet sich selbst als Zuschauer einer falschen, traurigen Welt. Als Zuschauer sieht er sich nicht für die Handlungen des Protagonisten verantwortlich. Deutlich: Die Mietentscheidung geht ihm „Am Arsch vorbei“.

Makler arbeiten gerne mit Getrennt-wordenen zusammen. Aus Frust über die Gesamtsituation sind Getrennt-wordene leicht zu überzeugen: Sieht der Interessent erst alles schwarz, verschwinden Spinnweben und Schimmelstellen, Rost am Heizkörper und versiffte Bäder in kontrastarmen Grautönen…

Lichtet sich der Nebel des gebrochenen Herzens werden die Mängel offensichtlich, die Getrennt-wordene bei der Mietentscheidung billigend in Kauf genommen haben. Im Regelfall folgt nach einem kurz bis mittelfristigen Wohnintervall ein neuer Umzug in eine besser passende Immobilie. Hier freut sich der Makler! Er kann die frei werdende Wohnung schnell wieder anbieten…

Kategorie C: Der Dauersingle

Wer den Teufelskreis nicht durchbricht, mutiert nach einer Zeit in die dritte Single-Kathegorie, die mir während meines Arbeitsalltages in den Frankfurter Wohnschluchten begegnet: Der Dauersingle. Im Dauersingle vereinen sich die Single-Kategorien A und B zu einem selbstmitleidigen Pamp:

Nach umfassender Analyse ist der Dauersingle zum im Regelfall falschen Ergebnis gekommen, dass sich die derzeit bewohnte Immobilie nachteilig zur Veränderung seines Singlezustands auswirkt. Wegen des schlechte Karmas in der Singlewohnung kann er unmöglich eine neue Beziehung finden. Deshalb braucht er Veränderung. Schnell. Nahende Altersgrenzen erhöhen den Druck auf den Mietinteressenten exponentiell. Ich habe sämtlichen 29-jährigen Singlefrauen der Stadt mindestens einmal eine Wohnung vorgeführt.

Der Dauersingle möchte ins Zentrum oder in die typischen Singlelagen ziehen. In Frankfurt sind diese Bornheim, Bockenheim, Sachsenhausen und das Bahnhofsviertel. Der Zustand der Immobilie ist dem Dauersingle egal. Die Immobilie ist dem Dauersingle egal: Lage, Lage und nochmals Beziehung!

Weil sich gut verdienende Dauersingles gerne untereinander um zentral gelegene Wohnungen buchstäblich prügeln, sind sie die beliebtesten Kunden der Vermieterseite. Beim näheren Hinsehen wird somit deutlich: Aufgrund der beschriebenen Zustände sind Dauersingles die Ursache, wegen der mache Schrottimmobilie für über 20 EUR pro Quadratmeter angeboten und vermietet wird. Sie tragen somit die alleinige Schuld an der Mietpreissteigerung.

Bald ist Bundestagswahl. Sämtliche Parteien wollen die Mietpreise in den Ballungszentren senken. Ein Grundsatzprogramm, um sämtliche Dauersingles endlich und zügig in Beziehungen zu überführen, sollte deshalb im Koalitionsvertrag nicht fehlen!

Richard Nitzsche (29, !! Single !!) ist Immobilienmakler in Frankfurt und München und Autor des Blogs für Mieter auf Wohnungssuche www.mietercoach.de .Als Immobilienkolumnist schreibt er für die Wochenzeitung „Frankfurter Stadtkurier“ .Er ist regelmäßig in Expertenforen und Reportagen über den Mietmarkt in Großstädten zu sehen.

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Erkenntnisse und Erstaunliches aus der Singlewelt 2.0