Allein, Allein – manchmal sehr geil.

 

 

 

Vor Kurzem stand ich vor einem Problem.

Na gut, ich habe viele Probleme, aber dieses war von äußerster Dringlichkeit und musste schnell behoben werden. Ich will jetzt nichts überdramatisieren, aber jeder, der gerne in die Sauna geht, weiß, wie wichtig ein guter Saunabuddy ist. Der mit dir zu den gleichen Aufgüssen geht ohne rumzuquicken, dir beim Salzpeeling den Rücken wundrubbelt und mit dir 2 Stunden auf einer Liege wegschlummert.

Durch die Schichtarbeit und eine kleinere Distanz schaffe ich es leider nicht mehr, mit meiner standart  Saunakumpelinin uns die Hitze von dem sexy Aufgussmeister Leo ins Gesicht peitschen zu lassen, also entschied ich, jemand anderen mitzunehmen. DAS WAR EIN FEHLER.

Die Person war mit der Saunakutur nicht vertraut und erstmal geschockt, dass da alle nackig waren. Nachdem ich gut zugeredet hatte, dass einem nichts weggeschaut wird und das das Schwitzen in Saunen nichts mit Sexy Bauarbeiterwerbespotschweiß zutun hat, konnte ich dann dem langsamen Ablegen der Badehose beiwohnen. Wenn ich in den Wellnesstempel gehe, dann nehme ich auch alle Angebote war: Becken, Whirlpool, Dampfbäder, Saunen und und und. Meine Begleitung war aber eher der Liegestuhlchiller. „Joar, geh ohne mich halt zum Aufguss.“

 

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(Blue Lagoon Iceland)

 

 

Durch die schlechte Begleitung schmerzte der Verlust meiner einstigen Beleitung noch mehr. Gestern aber dann war es soweit: Ich musste mal wieder ordentlich abschweißen. Nach kurzem Überlgen bin ich einfach alleine hingefahren.

Wisst ihr was? Es war großartig! Ich hatte eine Tageskarte und verbrachte 10 Stunden dort. Ich hab geschlafen, gegessen,geschwitzt, gebdadet, gepeelt, gefußbadet und alles was dazu gehört. Ich war quasi mein eigener Saunabuddy. So erholt war ich selten. Das werde ich defintiv wiederholen. Bei der Rückfahrt kam ich dann so ins grübeln. Ich bin schon öfters alleine verreist, aber ich habe auch schon öfters von Leuten gehört:

„Ich würde gerne in Urlaub fahren, aber ich traue mich nicht“

oder von meinem Vater letztens:

„Ich würde gerne dieses neue Restaurant ausprobieren, aber doch nicht alleine, was denken die Leute denn?“

Als ehemalige Kellnerin kann ich sagen: Wir denke uns dabei nichts. Unser Gedanken ist: Da ist ein Mensch, der hat Hunger und isst was“. Tiefer gehts da nicht mehr. (Übrigens ist mein Papa auch Dauersingle, im besten Alter und eine gute Partie, aussagekräftige  Bewerbungsunterlagen gerne an mich). Und auch als Alleinreisende hat man soviele Vorteile und einen Gewinn an Flexibilität. Ich war zum Beisiel mal mit einer Freundin auf Malle. Es war Halbpension mit dabei, aber ich hätte lieber ausgeschlafen und später was gesnackt. Sie war aber der Auffassung, dass wir das Frühstück ja mitbezahlt hätten und deswegen auch einnehmen sollten, alleine wollte sie natürlich aber auch nicht gehen. Das kann dir als alleinreisende nicht passieren.  Man kann sich anschauen was man will, man kann Stunden beim Shoppen verbringen ohne das jemand nörgelt und man kann auch einfach mal nur abschimmeln (das Wort hat mir ein Teenager beigebracht und ich finds dufte).

Selbständig zu sein heißt auf keinen Fall, dass man bemitleidet wird, sondern eher wird man bewundert, dass man die Eier hat, dass durchzuziehen.

Kino ist auch ein schönes Beispiel. Wenn früher ein Film lief, für den ich keinen anderen begeistern konnte, wartete ich eben, bis er auf DVD rauskam. Warum eigentlich? Im Kino kann man eh nicht quatschen und ich könnte das auch gar nicht, weil ich damit beschäftigt bin, Popcorn in meinen Ausschnitt rieseln zu lassen.

Also Leute, lasst euch nicht von tollen Sachen abhalten nur weil ihr sie eventuell alleine machen müsst, denn im Endeffekt erschließen sich daraus auch Vorteile und ganz neue Erfahrungen.

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(Allein in Amsterdam)

Nina

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