An den verrückten, versauten Single mit den Tattoos

Neulich bewegte ich mich im World Wide Web zwischen japanischen Tentakelpornos und Yelp Bewertungen für den Snackautomaten an meiner hiesigen S-Bahn Station in einem Singleforum. Da ist mir doch tatsächlich ein Bild ins Auge gesprungen, dass folgenden Text trug:

„Verrückt, versaut, tätowiert und Single“.

Ich habe dazu einige Anmerkungen:

Schon seit geraumer Zeit hat es sich eingebügert, dass bei Selbstbeschreibungen die Adjektive „behindert“, „crazy“, „verrückt“, „einen an der Klatsche“, „nicht ganz normal“, etc. verwendet werden. Bei Nachfragen was die letzte „bescheuerte“ Aktion war, handelt es sich dann um Taten wie knallhart im Burger King nach der Papierkrone fragen oder beim Schimmbadbesuch nicht zwanzig Minuten nach dem Essen gewartet zu haben, bis man wieder ins Wasser ging. Es ist schon schwierig genug eine Selbstbeschreibung zu finden, denn man sieht sich nun mal nicht mit den Augen anderer, aber warum muss es denn etwas sein, dass bei manchen Menschen sogar diagnostiziert ist? Zumal diese Charaktereigenschaften ja auch Auslegungssache sind, für die eine Person ist es verrückt noch 20 Minuten vor Ladenschluss in den Rewe zu gehen, für die andere festzstellen, dass das Haus ihres Dates gar nicht so groß ist wie bei Google Street View. Wo sind die schönen altmodischen Hobbies wie Feuerwehr, Tennisclub und der historische Eisenbahnerverein für osteuropäische Dampfloks aus dem 18. Jahrhundert gebleiben?  Sowas macht dich interessant, aber eine vage Aussage über deinen vermeidlichen Geistesszustand eher nicht. Sorry.

Über den versauten Teil möchte ich gar nicht groß eingehen, aber in Zeiten von 50 Shades ist es ja schon versaut, den BH beim Sex auszuziehen. Auch sexuell hat jeder andere Vorlieben und was du vielleicht als versaut abstempelst ist für andere schnöder Blümchensex. Eigentlich will ich dass auch gar nicht wissen auf was du so stehst, sondern lieber selbst ergründen, aber leider hast du dich mit dieser Angabe noch etwas uninteressanter gemacht.

Nun zu meinem Liebligspunkt: Tätowiert. Wow, ich bin begeistert, hier, nimm meinen Körper und mach mir tintenbedruckte Babies. Soll ich dir einmal was verraten? Der Tätowierer hat das Talent, nicht du. Du hast zwar deinen Körper zur Verfügung gestellt, ein paar Piekser ausgehalten und am Ende ein Bündel Scheinchen dafür hingelegt, aber das war keine große Leistung. Versteh mich nicht falsch, ich bin auch tätowiert, aber es ist nicht wunderlich, dass Bewegungen wie „Tattoofrei – es ist schön keine Tattoos zu haben“ sich großer Beliebtheit  erfreuen, wenn du meinst du bist ein ach so großes Individuum und deine Körperkunst erzählt deine Lebensgeschichte und jeder, der keine Tinte auf sich trägt, ist für dich gleich ein Spießer. Natürlich weiß ich, dass dies Satire ist, aber auch diese hat einen Ursprung. Du kannst auch ruhig stolz auf deine Tattoos sein, aber definiere dich doch nicht über Kunst (fraglich bei chinesischen Schriftzeihen und „Live.Love.Laugh.“ Schriftzügen) die ein anderer auf dir fabriziert hat. Du hast nämlich nichts dafür getan, außer das Geld dafür zu zahlen und eine Woche keine Wasser an die Stellen kommen zu lassen.

Ich habe da ein paar Verbesserungsvorschläge für die nächsten Sprüchebilder für dich, vielleicht klappt es ja damit:

„Tierlieb, unbefristet vollzeitbeschäftigt & schöne Zähne“

„Vielgereist, sportbegeistert & Hobbykoch“

„Alleinerziehend, Literaturaffin und gepflegtes Aussehen“

13 Kommentare zu „An den verrückten, versauten Single mit den Tattoos“

  1. Möchte ich wissen was japanische Tentakelpornos sind?
    Was ist denn besser als ein bisschen verpeilt zu sein? Kokettieren mit den Schwächen, die Zeiten wo wir uns als die Supermänner und Superfrauen darstellen wollten, sind eindeutig vorbei. Macho, Narzist und Co. waren gestern, heute muss ein Mann ein bisschen verrückt und geistig verwirrt sein um süß zu wirken. Die Frau von heute will pflegen und nicht um den Block getrieben werden 🙂 Wer den größten Spinner an seiner Seite hat gewinnt.
    Wird sich wie alles auch irgendwann wieder auslaufen und dann dürfen Männer wieder hart wie Kruppstahl sein und Frauen tough statt verpeilt und orientierungslos.
    Und was zur Hölle sind bitte japanische Tentakelpornos?

    Liken

  2. Ein wunderbarer Post mit viel Humor! 😀
    Teilweise wundert es mich doch auch sehr, wie sich einige Menschen heutzutage definieren. Deine Verbesserungsvorschläge sind auf jeden Fall der Hammer!
    Beste Grüße,
    Helen

    Gefällt 1 Person

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