Ich war die Andere.

 

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Manchmal gibt es Dinge, die möchte man nicht von sich preisgeben.Dann gibt es wieder Nächte wie diese, in denen ich denke, vielleicht schulde ich mir eine Erklärung für einige Dinge und so kann man hier den Versuch der Dokumentation einer Leidensgeschichte lesen:

Es ist ein Film- und Serienklischee: Sie verliebt sich in ihn, er ist verheirtet, natürlich total unglücklich und hat sowieso vor, sich scheiden zu lassen. In den seltensten Fällen passiert dies aber und das Unzufriedensein mit der Partnerschaft stellt sich häufig nur als schwierige Phase heraus und zurück bleibt mindestens ein gebrochenes Herz. Schwierig ist es auch dann, Gesprächspartner zu finden, die nicht direkt die Moralkeule schwingen ala „Der Typ ist verheiratet, so etwas macht man nicht!“. Das dazu zwei Personen gehören, blenden die meisten dann aus.

Aber alles auf Anfang: Ich glaube nicht an  Liebe auf den ersten Blick, aber als ich ihn vor ein paar Jahren das erste mal sah, da hatte ich seltsame Gedankengänge und noch ehe ich ein Wort mit ihm wechselte, sagte mir mein Bewustsein Dinge wie „Du musst ihm gehören“. Für mich als starke, emotional unabhängige Frau ein Gefühl, dass ich nicht recht zuordnen konnte – es war beängstigent und gleichzeitig schön, so etwas fühlen zu können. Tatsächlich verstanden wir uns blind und die Sache fing wie eine große Sommerliebe an – doch nach diesem Urlaub (wir lernten uns an einem Ferienort kennen) hatte diese Konstellation von zwei Personen, die sich sehr zueinander hingezogen fühlten, keine Luft zum Überleben: Eine große räumliche Distanz, ein Altersunterschied von mehr als zehn Jahren und zwei komplett verschiedene Welten trafen aufeinander – und prallten schließlich aneinander ab.

So wurde aus einer Sommerliebe eine Skypebekanntschaft, aus dieser resultierten gelegentliche Treffen wenn jemand „zufällig“ in der Nähe des anderen war. Doch gerade als es ein paar Annäherungsversuche, die nicht mit dem Zerlegen eines Hotelzimmerbettes gab, sondern auch mal einen Kinobesuch, ein romantisches Essen oder einen Ausflug beinhalteten, lernte ich jemanden kennen. Jemand, der die Unsicherheiten zu Überbrücken schien, die er in mir aufriss. Ich kam mit dem Mann zusammen und wir hielten weiterhin Kontakt, nur sahen wir uns ab dem Zeitpunkt nicht mehr. In unseren Gesprächen redeten wir nie über meinem Partner – es war, als würden wir ihn verdrängen und obwohl ich meinen Ex sehr liebte, war ER immernoch allgegenwärtig.

Diese Beziehung endete irgendwann und das Spiel ging wieder von neuem los: Die heimliche Trefferei, stundenlanges vor der Webcam sitzen, sich ein Glas Wein einschenken und einen Film zur selben Zeit starten, sodas man die Illusion hatte, man schaue ihn gemeinsam. Der Kontakt wurde irgendwann weniger, aus täglich wurde zweitägig und irgendwann wöchentlich, ehe zwischen einem Gespräch gute 2 Monate lagen.

Ich weiß noch ganz genau, wie es an dem Tag ablief, als er mir sagte, er würde heiraten: Es war irgendwann im Dezember und ich war verkatert, denn ich tat mein Bestes daran das Klischee der betrunkenen Angestellten auf der Weihnachtsfeier zu erhalten. Irgendwann Nachmittags, als ich mir sicher war, kein Restgas mehr im Blut zu haben, machte ich mich auf den Nachhauseweg. Blöd, das ein Baustellenfahrzeug vor mir meinte, auf der Straße wenden zu müssen und ich mit meinem Ford Fiesta etwas hineinkrachte. Beim Warten auf die Polizei ploppte auf meinem Handy eine Nachricht auf: Wir müssen reden, denn  er wird heiraten und das heißt, mit uns das geht nicht mehr. Natürlich war ich geschockt. Aber gleichzeitig habe ich mich innerlich ein bisschen gefreut, denn ich dachte dies sei ein Abschluss von seinen emotionalen Fesseln die mich hielten und ich sei endlich frei von ihm. Infolge dessen beschloss ich einen Cut: Auf allen Netzwerken geblockt, Nummern gelöscht und sogar eine neue E-Mail Adresse und Handynummer legte ich mir zu, um nicht mehr in Versuchung zu kommen.

Es war seltsam, denn obwohl wir nie richtig zusammen waren, dachte ich immer, wir hätten eine Chance, man müsse dem ganzen nur noch mehr Zeit geben. Nach 6 Jahren dann der Abschied.

Vor einiger Zeit fand ich eine E-Mail in meinem Postfach. Woher er meine neue Adresse wusste, war mir schleierhaft aber ich holte tief Luft und laß einen langen Text mit Erklärungen, Entschuldigungen und Enttäuschungen. Ihm ging es nicht gut und obwohl mein Kopf innerlich schrie „Hättest du mich geheiratet, wärst du jetzt glücklich!“, litt mein Herz, denn ich wollte nicht, das er traurig und unglücklich ist.

Die nächtlichen Anrufe und Nachrichten fingen wieder an und mein behinderter Verstand versteifte sich auf eine aufkeimende Hoffnung, dass es doch noch ein Happy End für uns geben könnte. Wir redeten nie über seine Frau und meine eventuellen Dates oder Partner, denn wir beide blendeten diese aus – wahrscheinlich aus Selbtschutz und Angst vor Konfrontation mit der eigenen, miesen Situation.

Eines Nachts, als wir beide nicht schlafen konnten und miteinander redeten am Telefon, hörte ich plötzlich eine Frauenstimme im Hintergrund und dann riss die Verbindung – ohne ein Tschüss  oder ähnliches Grußwort, ab.

Ich saß da, alleine vorm Handy und mir wurde etwas klar: Ich bin nicht seine Frau, seine erste Wahl. Ich bin die andere, die Affäre die man eigentich nie sein möchte und trotzdem war ich in diese Situation hineingeraten.

Ich verstand plötzlich die Frauen aus den Serien und Filmen, die darauf pochten, dass ihre Männer endlich die Erstgewählte verließen. Dennoch wollte ich keine von ihnen sein.

Seit dem abrupt geendetem Telefonat sprachen wir nie wieder miteinander.

 

Nina

 

 

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29 Kommentare zu „Ich war die Andere.“

  1. Oh mein Gott… Ich kenne dieses Gefühl, welches du beschreibst. Man glaubt nicht an Liebe auf den ersten Blick, im Urlaub rennt man einem Typen über den Weg, bei dem auf einmal Hollywood-mäßig alles in Zeitlupe vor den Augen abläuft… und tja… den Rest kann man sich denken. ^^ Original so wäre meine Geschichte damals wahrscheinlich auch abgelaufen, wenn ich nicht alles gelöscht und erneuert hätte. Und dennoch erhielt ich vor kurzem bei FB eine Nachricht, wo mir das Herz kurz stehen geblieben ist. 🙈 Manchmal ist das Herz halt ein Arschloch! 😌 Lass den Kopf nicht hängen! 😊

    Liebe Grüße,
    Tani

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  2. Oh Man, das tut mir total leid für Dich! So eine Situation ist unglaublich doof, für beide Frauen… Ich hoffe du trauerst diesem Arschloch nicht allzusehr hinterher.
    Herzlichen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns teilst ich denke, damit tust du denen ein Gefallen, die vielleicht auch mal so einem Charmeur begegnen oder denen, die das selbe durchleben mussten wie du…

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  3. Das klingt wirklich nach Gefühlschaos! Und das auch noch über einen so langen Zeitraum. Das muss einen mitnehmen. Aber so blod es klingt, es macht einen vielleicht stärker. Letztendlich hilft am Ende einer Beziehung nur Zeit, so ist es bei mir zumindest immer gewesen.
    Liebe Grüße
    Sandra

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  4. Ich muss gestehen bis heute kannte ich deinen Blog nicht aber ich les deine Beiträge super gerne! Du sprichst mir teilweise echt aus der Seele, diese Situation kenn ich auch. Hat bei mir mit nem Heulkrampf im Auto geendet, worauf hin ich vorbeigefahren bin und es beendet habe. Aber ich hab auch zwei Jahre gedacht vielleicht irgendwann bestimmt (obwohl der gesunde Menschenverstand eigentlich weiß, dass dem nie so sein wird xD)
    Jedenfalls besser so, seit dem kein Kontakt mehr und mir ging’s beziehingstechnisch nie besser 🙃 aber im Nachhinein ärgert mich jetzt doch die vergeudete Zeit und das sinnlose hoffen 🙈
    Liebste Grüße,
    Heidi von http://www.wilderminds.de

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  5. Bis auf die Sommerliebe ist hinterher wenig in der realen Welt passiert. Klar, dass Gefühle niemand abschalten kann. Dass man sich in was hineinsteigern kann ohne dass der Andere es bemerkt. Wie auch… für mich finden diese Treffen zum größten Teil virtuell statt. Und über das wirklich Wichtige hat man nicht geredet. Man hat nicht über Gefühle und Sehnsucht und ob man richtig zusammen finden kann und gemeinsam eine Beziehung möchte, geredet. Stattdessen trutscherln beide Leben parallel dahin. Klar dass es dann einen seelisch treffen muss, wenn der andere heiratet. Wo Liebe ist, ist meistens immer auch Schmerz und ein Gefühl sich dann wirklich Verabschieden zu müssen. Lediglich die Zeit und das kann auch Jahre andauern, hilft.

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  6. Puuuuh harte Story. Ich finde es toll, wie ehrlich und refkletiert du dazu stehst. Es kllingt wirklich nach Gefühlschaos und echt schwierig, zu realisieren nicht die Eine sondern die Andere zu sein.
    Ich hoffe, es schmerzt nicht mehr zu sehr bei dir und du kannst noch an die schönen Zeiten die ihr hattet zurück denken.

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  7. Liebe Niana
    Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
    Das tut mir alles so leid!
    Ich war auch mal in eine endliche Situation, aber niemand war verheiratet!
    Ich glaube auch nicht an die Liebe auf den ersten Blick!
    Ich wünsche Dir für die Zukunft nur das Beste!
    Hab einen schönen Tag!
    xoxo
    Jacqueline

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  8. Dein Post rührt mich sehr. Bisher war ich noch nie in solch einer Situation. Allerdings kann ich mir vorstellen, wie schwierig es ist, die Eine oder die Andere zu sein. Gerade als Andere bleibt man meist auf der Strecke, denn man ist eigentlich nur ein netter Zeitvertreib für jemanden, der eine unglückliche Beziehung führt. Immer führt dies zu einem gebrochenen Herzen. Natürlich gehören zwei dazu, aber als Andere bleibt man meist auf der Strecke. Allerdings möchte man auch nicht mit einem Mann zusammen sein, der eine Affäre geführt hat und seine Frau verlassen hat. Denn dann lebt man immer in der Sorge, dass er es wieder tun kann!
    Liebe Grüße
    Regina

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  9. Vielleicht vorab, ich finde dein Namen deines Blogs wirklich nicht toll und ich würde niemals hier hineinschauen, wenn ich es nicht wie jetzt bewusst tun würde. Und das ist schade, denn der Inhalt so wie dieser Post ist toll geschrieben und du nimmst die Leser mit. Aber vielleicht wolltest du auch bewusst einen Stolperstein mit deinem Namen legen? 🙂 – Immerhin vergisst man dadurch deinen Blog nicht. Viele liebe Grüße, Simone PS: Du wirst auch den Richtigen für Dich finden, da bin ich mir sicher.

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  10. Ich kenne solche Geschichten mittlerweile aus allen verschiedenen Perspektiven, nicht weil ich selber jede mitgemacht habe, aber meine Freundin, ein guter Freund…und ja, auch ich habe die ein oder andere Position mal bekleidet.
    Gemein finde ich es immer, wenn sich jemand Hoffnungen auf mehr macht, und der andere einem das Gefühl gibt, daß diese Hoffnungen eintreten könnten. Und dann doch nur seinen Spaß haben will und gar nicht darüber nachdenkt, daß man sein Leben auch ändern könnte…
    Ich hoffe, dir geht es bald besser! Irgendwo ist er schon, der eine.
    VG Martina

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  11. Ich finde er einzige, der sich in so einer Situation schlecht oder komisch fühlen sollte, ist der Partner, der zweigleisig fährt! Wenn man so eine Situation selbst mal erlebt hat, lernt man sicher wichtige Dinge für die Zukunft und das solltest du für dich mitnehmen.
    Ich finde dein Blogthema aber definitiv total spannend. Ich war gefühlt immer in einer festen Beziehung und hab daher wenig Einblicke in das Singleleben bekommen…
    LG, Sabrina
    http://www.lifestyledbys.com

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  12. Sehr emotional geschrieben. Ich kenne die Problematik ein wenig, emotionale Fesseln ist eine gute Beschreibung. Jahrelang habe ich keine vernünftige Beziehung führen können, weil immer er da war, ich aber doch nie Nummer 1 war. Und es endete auch bei uns mit seiner Hochzeit und mit meinem (vorübergehenden) Umzug in ein anderes Land. Das war das beste, was mir passieren konnte, und ich habe tatsächlich irgendwann geschafft, darüber hinweg zukommen und mit ihm abzuschließen. Dabei hatte ich zum Glück viel Hilfe und Unterstützung von anderen. Das wünsche ich dir auch, von ganzen herzen!!! Liebe Grüße, Isabelle

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  13. Ich wünsche Dir, dass Du irgendwann die Erste bist und es keine Andere gibt! Es ist schade, dass es so vielen Frauen (und auch Männern) so geht.. Ich für mich könnte nicht zweigleisig fahren, denn sobald ich Interesse an einem anderen Mann entwickle weiß ich, es stimmt was nicht in meiner Beziehung. Und entweder trenne ich mich oder ich ändere etwas in meiner Beziehung. Aber das ist nur für mich so..

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  14. Wahnsinn … Ich kenne die Situation … Meine erste große Liebe war genauso, ich wusste ich war nicht seine erste Wahl, dennoch war ich leider nicht so konsequent und hab mich immer wieder um den Finger wickeln lassen.

    Ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick, denn ich habe sie erlebt und darf den Mann nun seit zwei Jahren an meiner Seite haben 🙂 Wir sind verliebt wie am ersten Tag und ich hoffe, dass es wie bei einer guten Freundin von mir ist, diese ist jetzt vier Jahre verheiratet und wenn man sie sieht, denk man sie sind gerade frisch verliebt 🙂

    LG Danie

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  15. Huch … liest sich wie ein klassischer Liebesroman! Aber einer Bekannten ging es vor kurzem sehr ähnlich, da merkt man erst richtig, dass die Liebe ein großes Risiko ist und man niemals nie sagen kann, denn keiner weiß, was noch auf ihn wartet.

    Aber so schön könnte die Liebe sein, wenn man den einen richtigen gefunden hat ❤

    Alles Liebe,
    Marjorie von den Vienna Fashion Waltz Sisters

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  16. Oh man. Erstmal ganz gr0ßen Respekt für so einen ehrlichen Beitrag. Ich hab jetzt fast geweint, mir kommt alles soooo bekannt vor. Ich habe sowas jahrelang durchgemacht, ein Baby bekommen und immer wieder auf seine Versprechen gehört. Bis er irgendwann vor mir stand uns meinte, er zieht mit seiner Frau 700km weit weg (vorher war von Scheidung die rede) . Ich verstehe dich soooo sehr und ich hoffe das du ihn bald komplett aus deinen Gedanken bekommst. Ganz liebe Grüße und wenn du mal quatschen willst findest mich auf Facebook ❤

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  17. Wow, was für ein wunderschöner Beitrag! Ich musste gerade noch mehr von dir lesen! I’m in love with your writing. ❤

    Und Respekt für diesen Mut! Dass du hier einfach so diese sehr persönliche Geschichte erzählst!

    DANKE!

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