Dinge, die man nur kennt, wenn der beste Freund männlich ist.

 

13895279_1158799720826197_2392343115351295709_n

 

 

Ich liebe meinen besten Freund. Er ist wie der schwule beste Freund, den sich alle Frauen wünschen, aber in Hetero. Wir fahren in Urlaub, verbringen Freizeit und haben sogar schon dem anderen auf der Arbeit ausgeholfen – ohne dabei irgendwas mit Romantik zu verbinden, ganz im Gegenteil. Mit Männern habe ich mich schon immer besser verstanden als mit Frauen, vielleicht kam es daher, dass  ich bei einem Aufwuchs, denn selbst meine beste Freundin aus Teenagerzeiten benahm sich immer sehr maskulin. Da in vielen Köpfen es diese Konstellation aber schlichtweg nicht geben kann, wahrscheinlich aus eigenen Erfahrungen oder tausende Hollywoodfilmen geprägt, hier ein paar Klassiker, auf die man sich einstellen muss, wenn der beste Freund ein anderes Geschlecht hat:

Neue Partner sind grundsätzlich skeptisch.

        Da landet die Person die du datest auf deinem Instagram oder Facebookaccount und  da springen ihr/ihm erstmal  ein paar Fotos von deinem besten und dir entgegen. Beim Grillen, beim Frisieren und beim Rücken-vor-einem-Date enthaaren. Für einen selbst ganz normal, aber für die stalkende Datingbekanntschaft ein Grund dafür, Screenshots zu machen, diese an enge Freunde zu schicken mit dem Betreff „Meinste da geht was?“. So ist es keine Seltenheit, dass mir ein Like von jemandem angezeigt wird, den ich nicht kenne – mein bester Freund aber schon. Will mann dann auf die Benachrichtigung gehen, weg – verschwunden. Ist da jemand bei recherchen etwa ausversehen auf den Likebutton gekommen? 😉 Auch wird viel in Persona nachgefragt: „Und diese Nina….hat die auch einen Freund?“ sind nicht nur investigative Fragen zu mir, sondern generell zur Freundschaftsebene.

2. Man  selbst  ist skeptisch neuen Partnern gegenüber.

Es ist wie bei Geschwistern oder Eltern: Erzählt man von jemand neuem in seinem Leben oder wagt es ihn gar vorzustellen, muss man durch einen TÜV, den nur Angehörige und gute Freunde durchführen können: Ist das polizeiliche Führungszeugnis unbefleckt, der Job adäquat und der Lebenslauf gecheckt, dann kann man der Person vielleicht vertrauen. Aber im ersten Moment ist man doch eher kritisch, nicht aus Eifersucht, sondern weil man nur das beste für seine nicht-sexuell-anziehende bessere Hälfte möchte und sollte jemand es wagen, diese Person zu verletzen, dann wird ordentlich geshitstormt und deren Haus geklopappt. Generell lautet die Regel: Bis die/der Neue bewiesen hat, dass er nicht scheiße ist, ist er/sie es.

22007325_1571689362870562_4174163916042680720_n

 

3. Keine Geheimnise, keine Berührungsängste, kein Ekel.

Vor kurzem waren wir zusammen shoppen. Die Umkleiden im Ralph Lauren Laden waren in einem sehr engen Gang und ich wartet davor, bis Monsieur sich umgezogen hatte, bis eine Verkäuferin mich bat, nicht im Gang rumzustehen, sondern entweder wieder in den Verkaufsraum oder IN die Kabine zu gehen. Ich schaute sie verdutzt an, denn wenn sie dies auch bei Paaren macht, will ich nicht diejenige sein, die die Sauerei bei Ladenschluss wegputzt. Ich verschwand dann mit in die Kabine. Auf jeden Fall gibt es keine Berührungängste, wobei man sich nicht wirklich berührt. Man erzählt sich vom letzen Stuhlgang bis hin zum letzen Koitus den man hatte, mal mehr mal weniger detailiert, aber immer hochinteressiert.

4. Flirten ist nicht ganz so einfach.

Wenn ich alleine oder mit anderen Frauen unterwegs ist, kommt es schon einmal vor, dass ich für den ein oder anderen Drink nichts zahlen muss. Ok, es kommt häufig vor. Ok, manchmal gehe ich mit mehr Geld als ich gekommen bin nach Hause und das nicht, weil ich unmoralische Angebote auf Gaststättentoiletten angenommen habe (gabs alles schon), sondern weil je nach Veranstaltung es Pfand auf Becher oder Flaschen gab. Jetzt gibt es das urbane Märchen vom Wingman: Jemand, der einem anderem hilft, etwas aufzureisen. Das mag bei der konstellation Frau-Frau Mann-Mann gut passen, aber bei Frau-Mann wird es da schon schwieriger, denn natürlich denken alle in erster Linie man ist ein Paar und versucht man DANN noch zu flirten, wird schnell angenommen, man sucht Gesellschaft für einen Dreier oder andere Spielchen. So muss man aufpassen, dass nicht direkt der erste Satz, den man raushaut nicht „Das ist nicht mein Freund“ ist.

5. Auch Verwandte fragen sich, was da los ist

Vielleicht ist es einfach ein Ding meiner Generation, aber wenn ich Mama, Papa oder meiner Schwester erzähle, dass ich etwas mit einem Freund unternehme oder in Urlaub fahre, denken sie automatisch IMMER da geht was. Was das sein soll ist mal ihnen selbst überlassen, aber nachggebohrt wird trotzdem.

6. Komische Mutmaßungen von anderen

Kennt ihr noch die früher 2000er Avril Lavinge? Die, die sich eine Krawatte umband und mit ein paar Jungs ein Einkaufceter auseinander nahm? Irgendwie kennen wir alle so ein Mädchen und diese müssen sich auch immer vieles anhören: „Du bist ja heimlich in ihn verliebt, willst es aber nicht zugeben, weil dann die Freunschaft kaputt geht“ oder „Du willst ja nur Aufmerksameit“ sind nur ein paar Dinge, die dann getuschelt werden. „Warum seid ihr eigentlich nicht zusammen, ihr passt doch so gut“ oder „Versucht es doch einfach“. Ihw, ich versuche doch auch nicht einfach, meinen Bruder zu küssen.

7. Sehr sehr gute Datingtipps

Ja, Menschen sind unterschiedlich. Jeder steht auf etwas anderes. Aber wenn es um Männer geht, wer kann die Denkweise solcher besser nachvollziehen, als ein Mann? Gerade wenn wir wieder einen mentalen Zusammenbruch haben und ihm nicht schreiben, weil  er dir nicht schreibt und du ihm nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt, du ihm aber eigentlich schreiben willst, aber aus Prinzip nicht schreibst, weil er dir nicht schreibt hilft da einen Sprung in die Gedankenwelt eines Mannes, geführt von einem besten Freund. Auch andersrum kann man vertvolle Tipps, die wahrscheilich sowieso nicht beachtet werden, geben.

 

18237797_1432751476764352_2018358841629105247_o

 

Werbeanzeigen

Das Fremdschäm Phänomen

 

bride-2679319_960_720

 

Wer Freitag Nachmittag mit den Öffis fährt, ist entweder nicht bei klarem Verstand oder eine arme Sau. Lassen wir am besten die Diskussion aus, zu welchem der beiden Optionen ich passe.

So kam es, dass ich dreißig Minuten vor dem geplantem Eintreffen meines Schienenverkehrsmittels am Bahnsteig stand und wie immer mit dem Snackautomaten in Sichtweite liebäugelte. Eigentlich bin ich ja auf Diät, nun gut, dass bin ich immer, nur mal mehr, mal weniger. Ich verkniff es mir und fummelte stattdessen den Low-Carb-High-Protein-extra-Fiber-Master-Blaster-Verstopfungs Riegel heraus und kaute auf der zähen gummiartigen Masse herum. Der Bahnsteig füllte sich langsam mit Wochenendheimfahrern, Offiziell-auf-eine-Konferenz-in-München-aber-sich-mit-der-Affäre-treffen-Fahrer und Studenten. Der Bahnsteig füllte sich weiterhin. Eigentlich hörte er kontinuierlich nicht damit auf und irgendwann sah ich in dem Getümmel nicht mahl mehr den Snackautomaten. „Das wird kuschelig“, dachte ich mir, als der Regional Express einfuhr. Die Menschen drängten sich an die Türen und ich sah meine Chance auf ein gemütliches Nickerchen schwinden.

Mein Wagen war so voll, dass es irgendwann nicht mehr nach vorne und hinten ging. Kleiner Tipp an Reisende: Wenn dir Menschen entgegenkommen, gibt es in deren Richtung auch keine Plätze mehr. Ich quetschte mich zur nächsten Tür durch um auszusteigen und zu einem der hinteren Wagen und gelangen, da ich hoffte, dort sei weniger los, immerhin ist die Menschheit faul und kaum einer läuft bis zum Ende des Bahnsteiges. Als ich mich gerade vor der Mitte des Zuges befand, erhellte ein schrilles Pfeifen meine Ohren und die Ansage „An Bahnsteig 9 bitte einsteigen, der Zug fährt ab“ brachte mich dazu in die nächstmögliche Tür zu hüpfen.

Das war ein Fehler.

Auch hier standen die Personen in den Gängen und ich sah mich inmitten eines schlecht produzierten SAT 1 Filmes mit Annette Frier wieder: Ich stand zwischen rosa, hugotrinkenden Tütüträgerinnen. Eine von ihnen trug eine Scherpe, auf der „Germanys next Top Wife“ stand. Ich war in einen Junggeselinnenabschied geraten, quasi der Rolls Royce unter den Trashgründen zu feiern, direkt nach Fasching (mir ist es egal ob man es woanders Karneval nennt!) und der Scheidungsparty. Ich hörte sie durch meine Kopfhörer quietschen, lachen und „crazy und ungezügelt“ sein. Ich weiß, die Tradition des Junggesellenabschiedes ist schon etwas älter, aber wann und warum herrgott wurde  Steak & Strippschuppen mit Bauchladen & Fremdscham ersetzt?

Ich freue mich für mich für alle, die den Schlund, ich meine Bund fürs Leben eingehen und den richtigen Partner gefunden haben. Aber ich verstehe nicht, warum man dies mit einem vorehelichen, peinlichen Besäufnis in einer fremden Stadt zelebrieren muss.

Ich wette, der Jungesellinnenabschied der Truppe sah wie folgt aus:

Acht Wochen vor der Schächtung, äh Hochzeit erstellt die Trauzeugin eine Whatsapp Gruppe mit dem Namen „JuGeA Köln 2017“. Hinzugefügt werden Freundinnen, Schwestern und Arbeitskolleginnen der Braut. Man fährt in eine nächstgrößere Stadt, denn insgeheim hat man schon Bock auf die Sause, aber keinesfalls in der heimischen Region, weil man weiß das die ganze Aktion ziemlich peinlich ist.

Die Brautjungfer schreibt Datum, Abfahrtszeit und Kosten in die Gruppe. Zwei verlassen die Gruppe sofort, da sie nicht einmal wussten das die Person heiratet und dem Rest passt das Datum nicht, da entweder die Großtante des Freundes an dem Tag stirbt oder die Katze die Krallen geschnitten bekommt. Schicht tauschen ist 2017 sowas von oldschool, immerhin können sich die anderen ja anpassen. Nachdem der Termin erst eine Woche vor und danach drei Wochen zurück verschoben wurde, landete man wieder beim ursprünglichen Datum und plötzlich können alle doch. Der nächste Disput kommt bei der Auswahl des Etablissements, in dem genächtigt wird: Das ursprünglich ausgewählte Hotel ist einer zu teuer, sie könne es sich nicht leisten und überhaupt seien 11 Euro für ein Frühstück unzumutbar, das sind immerhin 22 Mark. Sie esse ja morgens eh nur ein halbes Konfitürebrötchen. Zum Ausgleich schmiert sie sich allerdings noch vier weitere, die sie in Lagen von Servierten einpackt- für später. Sie hat ein Hotel gefunden, nur 50 km außerhalb von Köln – mit der S-Bahn seiek man da in nur 45 Minuten. Nachdem die anderen zugestimmt haben, für sie zusammenzulegen, soll es nun doch das schicke Hotel in Domnähe in der Innenstadt werden – leider ist aber Messe an diesem Wochenende und so sind alle verfügbaren Zimmer nach der dreitägigen Diskussion weggeschnappt. So bucht das Ensemble sich im schäbigen Hostel in Köln-Deutz ein. Frühstückspreis: 17 Euro.

Die Frage nach dem Transportmitteln ist schnell geklärt: Fahren will keine, nicht wegen des Alkoholkonsums, denn eine die nichts trinkt ist garantiert immer dabei, sondern weil sich keine von den Kleinstadttrullas traut in die große Stadt reinzufahren – Dreispurige Autobahnen? Welch Teufelswerk! Auch der Fernbus fällt weg, weil ein Mitglied der Gruppe eine Spiegel TV Doku gesehen hat, wie hoch die Unfallstatistik bei Fernbussen ist und das die Mitarbeiter ausgebeutet werden. Sie trug dabei einen Pyjama von Primark.

Die Bahn soll es sein. Da der direkte Weg aber scheißteuer ist und sie noch nie was von Sparpreis gehört hat, wird es ein quer durchs Land Ticket mit dem man nur Regionalverkehr fahren darf – und schwups, nach nur 5x umsteigen und einer halben Reise durch die Republik ist man auch schon am Ziel.

Ein paar Tage vorher besorgt die Organisatorin des Ganzen wichtige Gegenstände: Ein Krönchen, Zauberstab und eine Palette Schenkelspreizersekt gehen bei Kik und Tedi über die Ladentheke. Sie bestellt im Internet rosa Shirts mit dem Aufdruck „Braut Security“ und verschreibt sich dabei. Egal, wird schon keiner merken.

Dann kommt auch schon der große Tag: Frühmorgendlich wird sich am Bahnsteig getroffen. Der Bräutigam fährt die völlig überraschte Braut zum Bahnhof. Sie hatte gar nichts geahnt, auch nicht als man ihre Kleidergröße oder Ausweisnummer haben wollte.

So wird gelacht, getrunken und auch geweint, bis die erste zur Porzelanabteilung muss: Empörung macht sich breit, wie könne es denn sein, dass eine Toilette so aussieht. Vielleicht sollte sie den Typen im nächsten Abteil fragen, der stehend im Zug meinte, pinkeln zu müssen.

Die Exzesse reicht bei jeder bis zwei Hugos, dann wird „sich gezügelt, sonst schläft man so früh ein“. Die Nichtstrinkende nippt an ihrer Ingwer-Orange Bionade.

In Köln angekommen stürmt die Bande dann aus dem Zug, um festzustellen, dass man Hunger hat. Es wird in die erste verfügbare Fast Food Bude am Bahnhof eingefallen, was der geizigen Trulla missfällt, denn 3 km weiter ist doch alles viel günstiger. Sie lädt sich noch schnell die McDonalds App herunter und spart so beim Kauf von 20 Chicken Nuggets und einer Cola 0,30 Cent.

Mittlerweile hat die Gesellschaft ein Tief, denn man ist ja gefühlt schon ewig unterwegs. Nachdem man erstmal die falsche U-Bahn und dann die falsche Tram genommen hat, kommt man abgekämpft im 12 Bett Hostelzimmer an. Eine schläft, eine geht Duschen, eine kotzt und eine isst weil sie eben nicht satt würde. Die Braut versucht ihren zukünftigen Göttergatten zu erreichen, aber keine Nachricht geht raus. Sie weiss, das er auch seine verlorene Freiheit feiert und denkt sich, dass im Strippclub sehr schlechter Empfang ist.

Nachdem kleinen Päuschen geht es in die Innenstadt: Bewaffnet mit Bauchladen, Kondomen, Klopfer und anderen unwitzigen Dingen wie „Eiershampoo“ oder „essbare Strings“, die die Braut verkaufen muss um Geld (wofür auch immer) zu sammeln werden vorzugsweise junge männliche Passanten belästigt. Nach einem Verlustgeschäft von umgerechnet zwölf Euro geht es in eine Altstadtkneipe, in denen sich drei andere, männliche Junggesellenabschiede befinden. Die Braut ist quasi unsichtbar, aber der Rest der verrückten Hühner wird pausenlos angebaggert, immerhin sind sie ja hier, um Spaß zu haben. Das auch Brautjungfern, Trauzeuginnen und Freunde der Braut vergeben sein können, wird schlicht für ein Mythos gehalten. Irgendwann wird ihnen die Belästigung zu viel und sie zischen wieder Richtung Hostel ab, nehmen aber erst die falsche S-Bahn und dann den falschen Bus. Um 22.30 fällt die Gruppe dann fertig in ihre Doppelstockbetten, ehe sie am nächten Morgen bepackt mit 10 selbstgeschmierten Hostelaufbackmarmeladenbrötchen die Heimreise antreten – Was ein verrückter Junggesellinnenenabschied.

Solle ich einmal heiraten, möchte ich einen Klassiker: Steak und Stripper oder einen Wellnestag. Sollte jemand einen crazy-in-andere-Stadt-fahr-Jungesellinnenabschied organisieren, waren wir einmal Freunde.

Das kulturelle Intermezzo von Joghurt und Wasserpfeife

 

girl-and-hookah-1390802_960_720

 

 

Irgendwann in den 2000er waren sie da: Coffeeshops. Nicht die, die  in Amsterdam für botanisches Vergnügen sorgen, sondern solche, in denen man sich einen fettfreie Soja-Latte Macchiato mit Pumkin Flavor und koffeeinfreien Espresso Shot bestellte und sich irsinnig freute, sein halbes Monatsgehalt dafür hinblättern zu dürfen. Der To Go Becher: Ein Statussymbol. Wenn man dann fertig mit Selfies war, war die Rotze wieder kalt und ungenießbar. Irgendwann hielten die Kapselmachinen Einzug in die Haushalte und den Leuten wurde klar, dass sie für den gleichen Preis auch pulverisierte Milch durch ein Gerät jagen können und gleichzeitig noch etwas für die Umwelt tun, indem sie den fair angebauten Bio Kaffee in unrecycelbaren Plastikkapseln kaufen.

Danach kamen die Bubbletealäden: Tee, der eigentlich nur Sirup mit Leitungswasser war wurde mit Kügelchen aus pflanzlichem Material gefühlt. Normalerweise sträubt sich jeder normaler Mensch außer Franzosen freiwillig glibberige Sachen zu konsumieren, aber da wir plötzlich alle asiatisch jugendlich waren  und Hello Kitty nun auch von über 25 Jährigen vergöttert wurde (Das ist eine Strichzeichnung von einem Kätzchen, gehts noch?) liefen wir natürlich alle mit einem Plastikbecher mit nachgemachtem Strawberry-Peach Kaviar rum und fanden die geschmackslosen Kügelchen natürlich total kawaii.

Jeder Trend flacht einmal ab, und so zogen in die leeren Bubbleteageschäfte Frozen-Joghurttempel rein. Joghurt, das ist gesund, das wollen die hippen Clean-Eating Instagrammer. Gefrorener Joghurt ist einfach soviel gesünder als Eis mit Joghurtgeschmack. Außerdem klingt es cooler.  Aber da dies doch etwas fad ist und keinesfalls mit dem Geschmack eines 1€ Ikea Softeises mithalten kann, wird das fermentiererte Milcherzeugnis im gefrorenem Zustand gepimpt. Mit Toppings. So kann man sich kiloweise Gummibärchen, Oreokekse, Browniestückchen, Käseräder und/oder das Jagdergebnis einer kanadischen Großfamilie im Spätherbst auf seinen gesunden Snack streuen – Das sind ja alles total gesunde, langkettrige Kohlenhydrate und Proteine.

Nun wurde durch den Verzehr von Frozen Joghurt und dessen crunchy Begleiter keiner über Nacht schlank und so verschwanden auch diese Läden aus  pulsierenden Innenstädten wie zum Beispiel  Oer Eckernschwick. Dann wurden wieder Bretter and Ladenlokale genagelt und lehrstehende Shops auf Ebay Kleinanzeigen verramscht.

Zeit für einen neuen Jugendkult: Die Shisha!

Wenn sich AFD Sympathisant Jürgen, Alpha Kevin Calvin und das Spießermädchen Lisa an einem Tisch  zusammenfinden um sich eine orientalische Pfeife mit Pfirsisch-Eistee-Minzgeschmack zu teilen, ist das nicht Utopia sondern Ali`s Shisha „Cafe“. Lisa, die sonst einen Hygiene-Tick hat und vor, nach und am liebsten während des Geschlechtsaktes duscht, teilt sich mit 2 Typen das vollgesabberte Mundstück- so macht man das eben in der arabischen Kultur. Calvin bestellt sich eine große Cola und sieht beim Bezahlen, dass er nur noch 5 Euro hat und die Shisha nicht mitbezahlen kann – zum 6. mal diesen Monat. Er verspricht den anderen beiden, das nächste mal alles zu übernehmen. Er fühlt sich Gangster, denn er hat jetzt brutale Schulden und hängt beim Ausländer ab. Währenddessen wird Lisa ganz locker von ihrem türkischen Apfeltee und die Wirkung der Shisha. Sie fühlt sich so hardcore wie Rihanna damals, als „Good girl gone Bad“  erschien. Jürgen, der AfD wählt weil er Patriot ist (das ist was ganz anderes als rechtsradikal sein, er ist einfach nur um das Wohl der Deutschen besorgt – außerdem kann er die linksgrünversiften Bahnhofsklatscher, die seine Meinung nicht teilen, nicht leiden, da sie von Heiko Maas bezahlt werden und  gleichzeitig Rentner  Pfandflaschen sammeln gehen müssen), sich aber ab und an gerne mal einen Döner reinzieht, bestellt sich einen „Ladykiller“: Orangensaft, Grenadine und Pfirsichlikör. Heute eskaliert er richtig. Um 22:00 Uhr muss Lisa leider verschwinden, da ihr Parkticket abläuft – sie fragt sich allerdings, ob sie unter dem Einfluss solcher Drogen überhaupt noch fahren darf.

Was meint ihr, was nach dem Shishahype kommt? Einhorn- oder Katzencafes?

Kann man es verlernen, eine Beziehung zu führen?

pexels-photo-323180

 

 

 

Seit kurzem habe ich, die Reinkarnation der modernen Singlefrrau, einen Freund. Bevor jetzt die allgemeine Panik ausbricht: Natürlich besteht der Blog, meine Geschichten und Ansichten weiterhin, denn es ist ja noch lange nicht alles gesagt.

Wenn man nun längere Zeit, so wie bei mir zwei Jahre, Single ist, gewöhnt man sich bestimmte Marotten an: Ich zum Beispiele habe irgendwann aufgehört, für mich alleine zu kochen, weil es manche Lebensmittel nur in Verpackungsgrößen für siamesische Großfamilien am Sonntagmittag gibt und weil mir das Geschirrspülen immer zu lästig war. So erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, wenn man Miracoli im Topf erwärmen für ein romantisches Dinner wählt, denn man ist ja nur Essen aus der Mikrowelle gewöhnt.

Aber mal im Ernst: Es gibt zwei Faktoren, die bestimmen, wie wir uns in einer Beziehung verhalten und was wir von ihr erwarten: Unsere Zeit als Single und vorangegangene Beziehungen.

Es gibt keine Beziehungsbibel und wenn ich in Magazinen oder anderen Blogs lese „10 Dinge, die man als Langzeitpaar getan haben muss“ oder „Ihr passt nicht zusammen, wenn..“ kommt mir dezent die 11 mit süßsauer Soße und Leis wieder hoch. Wenn sich zwei Menschen finden, dann hat dies einen Grund oder im Idealfall mehrere Gründe. Ob diese Gründe zu einer festen zukunftstauglichen Beziehung führen zeigt die Zeit und für diese Zeit brauch man ein Scheißteil, welches sich Geduld nennt.

Diese Zeit, in der man ineinander verliebt ist aber sich doch noch aneinander gewöhnen muss, ist eine Achterbahn an Gefühlen und leider auch an – Zweifel. Nicht an seinem Partner, sondern vor allem an sich selbst: Man ist neugierig, möchte sich in den Alltag des Partners integrieren und hat Angst, das es alles „Zu viel“ ist. Oder das Gegenteil, man ist noch schüchtern und möchte den Partner nicht überrumpeln- hat aber Angst, dass dieser es als Desinteresse an sich wertet.

Das bringt mich zu der Frage, ob man es verlernen kann, eine Beziehung zu führen und erst wieder erlernen muss? Man sagt immer, Fahrradfahren verlernt man nicht. Nun ist das Prinzip „Fahrrad“ international gleich: Zwei Räder, zwei Pedale, lostreten. Menschen sind komplex und es gibt leider keinen Guide für den optimalen Umgang in einer Beziehung mit allen Menschen. Das muss man selbst herausfinden. So kann es sein, das plötzlich Dinge, die man für normal hielt, in den Augen des neuen Partners seltsam sind. Bei mir ist es zum Beispiel die Jogginghose: Wenn ich von meiner Schicht nach Hause komme, ist das erste, was ich tue, die unbequeme Dienstbekleidung loswerden. Manchmal wird das ausgezogene Kleidungsstück durch eine Schnellfickerhose ersetzt, manchmal auch nicht. Mein Freund schaute nicht schlecht, als ich ohne Vorwarnung mich umzog. Da hatte ich wohl verbummelt, das wir noch in der Phase sind, in der man sich schick füreinander macht („Der alte Fetzen? Das habe ich schnell drübergezogen“).

Oder Essen: Da macht man sich ein Nutellabrot und denkt einfach nicht daran, den anderen zu Fragen, ob er auch etwas möchte. Das ist kein Geiz, wobei ich bei Nutella dieses Verhalten verstehen würde, aber man denkt einfach nicht daran.

Ein weiterer Faktor, den einen Zweifeln lässt, ist der Vergleich der vorherigen Beziehung mit der neuen. Vor meiner zweijährigen Auszeit aus dem Pärchentum war ich drei Jahre in einer Beziehung. Nach solch einer langen Zeit ist die Kennenlernphase schon längst vorbei, man wohnte schon zusammen und jede Bewegung, Essen und Konversation waren routiniert. Ich vergleiche das gerne mit einem Ladebalken, jede Beziehungsphase hat so einen und in der Wir-wohnen-schon-Zusammen-Phase war dieser Balken schon gut bei 98 Prozent, ab der Hundert würde dann der nächte, entweder der Schwanger, Heiraten oder Wir-haben-alle-unsere-Wertsachen-verkauft-und-eröffnen-jetzt-eine-Biostrandbar-mit-selbstgebrauten-alkoholfreien-Bieren-in-Thailand Balken folgen. Nun ist der Fehler, dass man oft an diesen Anknüpfen will, aber beachten muss, das man erst bei 2% des Kennenlernens ist.

So finde ich es zum Beispiel seltsam, in einer Beziehung zu sein und trotzdem nach der Arbeit heimzukommen, ohne das jemanden auf einen wartet. Aber nicht, weil mein Freund nicht will, sondern weil mein einfach nochmal neu startet und lernen muss, wie man sich in dieser Beziehung mit diesem Menschen verhält.