Explodierende Mieten: Dauersingles haben Schuld!

Vor kurzem musste ich  als Alleinstehende auf die Jagd gehen, um die passenden vier Wände zu erlegen. Dabei gab es einige kuriose Situationen und ich fragte mich, wieviele Stories da wohl erst Immobilienmarkler auf Lager haben. Deshalb habe ich mir einen Gastautor vom Fach ins Boot (oder eher die Wohnung) geholt, nämlich Richard Nitzsche, der heute mal ein wenig aus dem Nähkästschen plaudert:

 

Als Immobilienmakler im Mietmarkt begegnen mir ständig Singles. Einzigartige Personen, mit eigenen Ansichten, Träumen und Wünschen. Und doch gleichen Sie sich. Sie tragen die selbe Bürde – plötzlich oder gänzlich allein zu sein. Auch auf Wohnungssuche lassen sich erstaunliche Ähnlichkeiten beobachten, die ich in drei Kategorien unterteile:

Kategorie A: Der Getrennte  

Zwischen zwei Arten frisch getrennter Singles muss der qualifizierte Makler unterscheiden: Der Getrennte und der Getrennt-wordene.

Der Getrennte ist ein anspruchsvoller Mietinteressent. Zumindest in der ersten Zeit. Er hat gerade seine Beziehung beendet, um seine aktuelle Lebens-Gesamtsituation zu verbessern: Bessere Wohnung, besseres Auto – besserer Partner? Wohnungssuche und Partnersuche des Getrennten verlaufen dabei in beeindruckender Symbiose: Zunächst besichtigt der Getrennte die schicken Penthäuser im Stadtzentrum: Blick über Frankfurt, Panoramafenster, Marmorboden mit Fußbodenheizung – vielleicht gibt es sogar einen Pool. Leider kann der Getrennte beim schicken Penthouse nicht landen. Das nötige Kleingeld fehlt.

Nach einigen erfolglosen Anläufen erkennt der Single, dass der Traum vom schicken Penthouse eine Illusion war. Jetzt interessiert er sich für die mittelhübschen Wohnungen am Rand des Zentrums. Nach kurzer U-Bahnfahrt ist die Innenstadt noch gut erreichbar. Mit ein bisschen Glück liegt im Wohnzimmer Parkettboden und kein Billiglaminat. Er könnte sich die Wohnung leisten, er wäre sogar der Richtige, der genau passende Mieter – doch leider ist die Konkurrenz der anderen Interessenten so groß, dass er doch nie zum Zuge kommt. Trotz vieler vergeblicher Anläufe und ausreichender Qualifikationen. Nüchtern oder betrunken. Mit Wingman und mit-ohne.

Nach einigen Monaten treffe ich in einer Besichtigung den inzwischen verzweifelten Getrennten wieder.

Er ist ausgehungert nach Wohnraum. Er fürchtet für immer auf der Straße zu sitzen und ganz ohne Wohnung den Rest seines Lebens bestreiten zu müssen. Schließlich mietet er ein heruntergekommenes Schlaf-Duschloch am Stadtrand. Nach 10 Minuten Fußweg zur S-Bahn-Station ist er noch 30 Minuten mit dem Sozialschlauch ins Zentrum unterwegs. Er nimmt das Schlaf-Duschloch, denn es ist gerade frei.  Es stand schon lange leer. Die Immobilie ist eine echte Notlösung, aber er will einfach nicht länger alleine sein. Weinend sitzt er einige Wochen später im winzigen, unrenoviertem Wohnzimmer zwischen vergilbtem Laminatboden und unausgepackten Umzugskisten und bedauert, die alte Wohnung jemals aufgegeben zu haben. Erst jetzt weiß der Getrennte sein altes Zuhause zu schätzen. Er vermisst die Geborgenheit und bedauert zutiefst, mit welcher Leichtigkeit er vor einiger Zeit die Kündigung unterschrieb. So gerne hätte er seine alte Wohnung jetzt zurück, doch sie wurde leider gerade wieder vermietet. An einen hübscheren Mieter…

Kategorie B: Der Getrennt-wordene

Für den Getrennt-wordenen ist in der Zeit der Wohnungssuche alles furchtbar. Er betrachtet sich selbst als Zuschauer einer falschen, traurigen Welt. Als Zuschauer sieht er sich nicht für die Handlungen des Protagonisten verantwortlich. Deutlich: Die Mietentscheidung geht ihm „Am Arsch vorbei“.

Makler arbeiten gerne mit Getrennt-wordenen zusammen. Aus Frust über die Gesamtsituation sind Getrennt-wordene leicht zu überzeugen: Sieht der Interessent erst alles schwarz, verschwinden Spinnweben und Schimmelstellen, Rost am Heizkörper und versiffte Bäder in kontrastarmen Grautönen…

Lichtet sich der Nebel des gebrochenen Herzens werden die Mängel offensichtlich, die Getrennt-wordene bei der Mietentscheidung billigend in Kauf genommen haben. Im Regelfall folgt nach einem kurz bis mittelfristigen Wohnintervall ein neuer Umzug in eine besser passende Immobilie. Hier freut sich der Makler! Er kann die frei werdende Wohnung schnell wieder anbieten…

Kategorie C: Der Dauersingle

Wer den Teufelskreis nicht durchbricht, mutiert nach einer Zeit in die dritte Single-Kathegorie, die mir während meines Arbeitsalltages in den Frankfurter Wohnschluchten begegnet: Der Dauersingle. Im Dauersingle vereinen sich die Single-Kategorien A und B zu einem selbstmitleidigen Pamp:

Nach umfassender Analyse ist der Dauersingle zum im Regelfall falschen Ergebnis gekommen, dass sich die derzeit bewohnte Immobilie nachteilig zur Veränderung seines Singlezustands auswirkt. Wegen des schlechte Karmas in der Singlewohnung kann er unmöglich eine neue Beziehung finden. Deshalb braucht er Veränderung. Schnell. Nahende Altersgrenzen erhöhen den Druck auf den Mietinteressenten exponentiell. Ich habe sämtlichen 29-jährigen Singlefrauen der Stadt mindestens einmal eine Wohnung vorgeführt.

Der Dauersingle möchte ins Zentrum oder in die typischen Singlelagen ziehen. In Frankfurt sind diese Bornheim, Bockenheim, Sachsenhausen und das Bahnhofsviertel. Der Zustand der Immobilie ist dem Dauersingle egal. Die Immobilie ist dem Dauersingle egal: Lage, Lage und nochmals Beziehung!

Weil sich gut verdienende Dauersingles gerne untereinander um zentral gelegene Wohnungen buchstäblich prügeln, sind sie die beliebtesten Kunden der Vermieterseite. Beim näheren Hinsehen wird somit deutlich: Aufgrund der beschriebenen Zustände sind Dauersingles die Ursache, wegen der mache Schrottimmobilie für über 20 EUR pro Quadratmeter angeboten und vermietet wird. Sie tragen somit die alleinige Schuld an der Mietpreissteigerung.

Bald ist Bundestagswahl. Sämtliche Parteien wollen die Mietpreise in den Ballungszentren senken. Ein Grundsatzprogramm, um sämtliche Dauersingles endlich und zügig in Beziehungen zu überführen, sollte deshalb im Koalitionsvertrag nicht fehlen!

Richard Nitzsche (29, !! Single !!) ist Immobilienmakler in Frankfurt und München und Autor des Blogs für Mieter auf Wohnungssuche www.mietercoach.de .Als Immobilienkolumnist schreibt er für die Wochenzeitung „Frankfurter Stadtkurier“ .Er ist regelmäßig in Expertenforen und Reportagen über den Mietmarkt in Großstädten zu sehen.

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Ich werde ein Jahr alt!

Hallo ihr Raviolirocker, Padawanschüler und Menschen-die-irgendwas-mit-Medien-machen. Hallo Stammleser oder Ab-und-zu-mal-Reinschauer:

Heute vor einem Jahr ging mein erster Artikel online:
Ich dachte mir nicht viel dabei, ich erstellte einfache eine Seite mit dem lustigen Namen der mir unter der Dusche einfiel und tippte drauf los über Sachen, die mir im Kopf rumgeisterten und die ich irgendwie loswerden musste.

Ich hatte in meinem Leben schon viele Hobbys oder Interessen, aber oft verflogen sie nach kurzer Zeit. Mit Schrecken erinnere ich mich, wie ich zu Ostern häßliche Ostereier gebastelt habe, die noch nicht mal ansatzweise einer ovalen Form ähnelten oder selbst mein Sauerkraut manschte.

Mein Blog habe ich jetzt schon ein Jahr und das ist eine lange Zeit für mich, an der ich nicht das Interesse an einem Projekt verliere. Geschrieben habe ich schon immer gerne, ich hatte sogar in der 5. Klasse bei der Schülerzeitung mitgewirkt, obwohl dies eigentlich erst für Schüler ab der 8. bestimmt war.

In einem Jahr ist viel passiert: Erst Job weg, dann neuer Job, Umzug vom Kleinstadttrott in eine pulsierende Metropole, die ein oder andere Liebschaft von der es zu berichten gab und vorallem das verarbeiten meiner Trennung und finden zu mir selbst, finden zu meiner Identität.

Ich finde es wahnsinnig faszinierend, zwischenmenschliche Verhältnisse gerade im digitalen Zeitalter zu ergründen und werde daher auch weiter fleißig beobachten & analysieren.

Das durchweg positive Feedback und die Freude, die ich selbst am Schreiben entwickelt habe, haben mich bestärkt, dies auch in Zukunft weiter zu machen und irgendwann auch beruflich zu schreiben, bis dahin ist der Weg aber noch lange, aber ich werde genug Bifi & Durstlöscher Kirsch mitnehmen, um ihn zu bestreiten.

Ich danke allen Lesern, Kommentatoren, Likern, Hatern und freue mich, wenn ihr auch das folgende Jahr dran bleibt.

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Ist es meine Schuld, wenn meine Abfuhr nicht akzeptiert wird?

 

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Es war Samstag, mir war langweilig – Zeit für das allseits beliebte Spampostfach im Buch der Gesichter und das Aufmischen von Facebookgrupen (Ist Facebook eigentlich sowas wie unser Diddlfreundebuch der Neuzeit nur mit öffentlicher Gästebuchfunktion?)

Ich entdeckte nach den üblichen „Hey`s“, Minionsprüchebilder von Mitfünfzigern und komischen „Winkt dir zu“ Nachrichten ein etwas längerer Text. Es ist zwar gut möglich, das dieser des berühmten „Copy & Past“ Quellbrunnen entstand, aber dennoch fand ich sie ganz süß. Interesse hatte ich trotzdem keines, aber da man munkelt, ich habe eine gute Kinderstube genossen, dachte ich, ich schreibe einfach mal zurück.

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Das Internet ist ein seltsamer Ort. Manchmal ist es sogar für mich -wie sagte eine Dame aus der Uckermark einmal- „Neuland“. Mir fällt es schwer, Gepflogenheiten aus dem echten Leben plötzlich im Internet abzulegen. Das gillt für Beleidigungen, Ansichten und auch in diesem Falle: Einen Korb geben. Ich schrieb ihm höflich, dass kein Interesse bestünde. Ich weiß nicht wie, aber daraus entwickelte sich dann doch ein Gespräch. Mehrmals betonte ich, glücklich vergeben zu sein, einen Freund zu haben und in einer Beziehung zu sein. Aber er machte weiter, fragte mich nach einem treffen und „Freundaft“. Ich hab nichts gegen Freundschaft, ganz im Gegenteil, auch eine Freundschaft zwischen Mann und Frau kann bestehen, aber wenn sich jemand erst einem an den Hals schmeißt und dann eine Freundschaft vorschlägt, kann man sich schon denken, was damit gemeint ist.

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Wie eine spätere Investigative Umfrage in 2 Facebookgruppen (Die eine purer Trash, die andere für Frauen) zeigte, war es wohl meine eigene Schuld, dass er mich immer wieder anbagerte, trotz höflichem Abweißens. Das ich nach den ganzen Anfeindungen gegen meine Person noch keinen Suizid begangen habe, gleicht an ein modernes Wunder, so wurde ich außeinander genommen. Denn wenn sehr viele Frauen in der Mädelsgruppe aufeinander treffen und das untervögelte Volk der „Kontakte finden“ Trashgruppe scheint ein neuer Weltkrieg im Anmarsch zu sein – gegen mich.

Irgendwie konnte ich mir aber auch nicht verkneifen, aufzuhören mit ihm zu schreiben. Ob es am Push des Selbstbewusstseins lag wie einige behaupteten oder die Neugierde, wie lange er es noch versucht, kann ich nicht sagen. Vielleicht ein bisschen von Beidem, denn natürlich ist es ein Kompliment wenn man weiterhin nach Kontakt angebettelt wird, Körbe zu verteilen um mein Ego aufzuwerten wäre aber eine neue Methode.

Der großteil Der Kommentare waren:

„Du ermutigst ihn mit deinem ständigem Antworten nur noch“

„Blockier ihn doch einfach“

„Wieso antwortest du“

Und: „Warum postest du das öffentlich“

 

 

Mal abgesehen davon, dass ich fast zerfleischt wurde, war ich etwas überrascht. Irgendwie sah ich mich im Recht. Ich kenne manchmal keine Grenzen zwischen Internet und echtem Leben und so verhalte ich mich auch. Ich dachte, wenn ich ihm höflich zu verstehen gebe dass ich kein Interesse habe, sollte er es doch kapieren müssen, oder? Wenn er vor mir stehen würde und ich ihm sagen würde, ich möchte nicht, würde er dann auch weitermachen? Irgendwie bezweifele ich das. Meine Weltanschauung verschiebt sich: Noch einmal zum Wiederholen: Ich bin Schuld, wenn meine Abfuhr nicht akzeptiert wird, weil ich die Höflichkeit besitze, zu Antworten? Das erinnert mich irgendwie an die Frage bei Vergewaltigungen, wenn dem Opfer die Schuld angelastet wird, weil es zu sexy angezogen war.

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Normalerweise sollte man sich der Meinung einer Mehrheit beugen oder zumindest seine hinterfragen wenn sie zu 90% die Gleiche ist. Aber irgendwie fühlt sich das für mich falsch an. Vielleichte sollte man auch nicht Fremde in großen Facebookforen fragen, die nur auf einen dummen Thread warten den sie zerhackstückeln können.

Ich fande es zumal sehr verwunderlich, wie aggressiv manche reagierten – als ob ich einen Kodex gebrochen hätte oder meinen Freund betrügen würde, weil ich insgeheim ja doch nur erobert werden wolle und deswegen doch nur so tue als hätte ich kein Interesse, damit er sich mal mehr Mühe gibt. Mein Statement: Äh Nein, sicher nicht.

Aber ich möchte einfach niemanden ohne triftigen Grund blocken oder ignorieren, ich finde man sollte auch in einem ganz normalen Gespräch, selbst wenn es digital ist, Höflichkeit bewahren.

 

 

Ich bin nicht Schuld, wenn jemand meine Abfuhr nicht akzeptiert und durch mehrmaliges Wiederholen dieser denkt, ich hätte doch Interesse – oder?

Sex mit dem Ex

„Aufgewärmt schmeckt nur Gulaschsuppe“

Erkundigt man sich bei Anderen, wie sie zu Sex mit dem/der Ex stehen, bekommt man oft diese -nennen wir es mal- Weisheit aufgetischt. Viele tun es oder haben es schon getan, sind aber oft zu peinlich berührt um es zuzugeben. Das liegt wohl daran, dass es als Zeichen der Schwäche angesehen wird, zu einem Menschen zurückzukehren, auch wenn es nur körperlich ist, mit dem man eigentlich schon abgeschlossen haben sollte. Die unbequeme Wahrheit ist aber, das Sex mit dem Ex einfach komfortabel ist. Man kennt sich schon, muss sich also nicht erst durch das Feld von Blümchensex kämpfen, bis man mal die Finger an anderen als den ursprünglich vorhergesehenen Stellen reinstecken (lassen) kann. Außerdem ist Sex mit dem Ex selten schlecht – außer es ist schon eine gute Weile her mit euch oder er hatte zwischendurch jemand anderen, die ihn/sie total versaut hat.

Das liegt einerseits daran, dass man die Vorlieben des anderen schon kennt, aber auch unser Unterbewusstsein spielt dabei eine tragende Rolle:

„Die Person möchte nicht mehr mit mir zusammen sein – jetzt zeige ich ihr erst Recht, was sie verpasst“.

Natürlich macht das Reiten auf der Vergangenheit in diesem Fall viel Spaß, dennoch sollte man sich immer bewusst sein, dass dies auch kein Dauerzustand ist. Auch der Gedanke „Vielleicht kommen wir so wieder zusammen“ sollte man ganz schnell verwerfen. Zwar gibt es Paare, die wieder zueinander fanden, aber ob dies einzig und alleine über die Sexschiene geschah, ist auszuschließen. Oft sind es wir Frauen (aber nicht nur), die, die dann doch traurig und heftig reagieren, wenn der Ex Partner erneut Schlussmachen muss (diesmal aber nur das Sexding), weil er jemand neues kennen gelernt hat – und das nicht nur zum Vögeln.

Wer mit seinem Ex schläft, sollte emotional die Beziehung schon abgeschlossen haben oder zumindest etwas Abstand gewonnen. Vermissen wird man den ehemaligen Partner wohl immer ein bisschen, aber sich Vorzustellen, das es ein Beziehungsrevival aufgrund gutem Sex gibt, ist Utopie. Sonst muss man zwei Trennungen durchleben und wir wissen, dass eine schon hart genug ist.

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