Über die seltsame Eigendynamik von Singlegruppen auf Facebook

Vor einigen Monaten war es dann soweit: Ich begab mich in die seltsame Welt von Singlegruppen auf Facebook. Es war Herbst, eine melancholische Grundstimmung lag in Form von nicht aufgekehrtem Laub (Nobody kehrs) auf dem Bürgesteig und Nina fand, es sei mal Zeit ihren Horizont zu erweitern und eventuell ein paar neue Kontakte zu knüpfen.

Eine surreale Welt eröffnete mir sich: Gruppen von einer Größe von 3000 bis 30.000 voller Singles und welche die es auch offensichtlich nicht sind, begeben sich auf einen Cybermarktplatz und spielen virtueller Viehmarkt. Vorlieben oder Ansprüche werden hierbei oft ignoriert oder ganz abgeschafft. So durfte ich bei meinem mehrmonatigem  Online Feldversuch viele Phänomene beobachten, die in allen Gruppe öfters und völlig unabhängig voneinander auftauchten. Da gäbe es zum Beispiel die Art von Frau, die jeden Tag ein Selfie hochlädt, untermalt mit einem mehr oder wenig aussagekräftigem Spruch, Ausschnitt nicht zu vergessen, aber sich dann beschwert das ihr Postfach überläuft. Das Pendant dazu ist der Typ, der von allem Scheiß, vorallem aber Fast Food und Schokoriegel, die er verspeißt, Bilder hochlädt. Frauen stehen auf Futter, das ist kein Gehemnis, auch die Urinstinkte springen da bei beschaffter Nahrung an (weswegen sollte man sonst eine Frau zum Essen ausführen), aber bildlich dokumentierte Fressorgien sorgen dann eher für Desinteresse, da Frauen hinter dieser Person entweder einen Mann vermuten, der überhaupt nicht für sich selbst sorgen kann, oder einen Fettsack. Oder beides gleichzeitig. Witzig sind auch die, die sich mit großem Getöse aus der Gruppe verabschieden: „Bye Leute, ich habe jemanden gefunden“ und sich dann wieder nach kurzer Zeit heimlich reinschleichen. Ich hätte ja Liebeskummer stattdessen und ein bisschen peinlich wäre es mir auch, aber nun gut, jeder hat da so seine Methoden. Auch nicht zu verachten sind die ultranspruchslosen Männer, die einfach mal in die Runde Fragen, welche sie Lust hätte zu schreiben oder sich gar zu treffen. Dieses Verhalten ist auf mehreren Ebenen unschön, es wertet Frauen als Massenware ab und zugleich den Fragenden, scheint es so als würde er Jede nehmen, Ansprüche an Aussehen, Alter und Charakter gehen einmal komplett und ohne Rettungsring über Bord. In jeder Gruppe gibt es auch „die alten Hasen“, oft sind das gar nicht so unatraktive Zeitgenossen und sie sind auch oft Geduldet trotz Beziehung, weil „Sie ja schon so lange dabei sind“. Auch die, ich nenne sie „Unantastbaren“ sind ein Fall für sich. Sehen scheinbar nicht schlecht aus, auch sie veröffentlichen reihenweiße Kontent, aber Antwort oder Statements? Fehlalarm.

Wenn du als Frau, ich sage mal ein recht passables Bild als Profilausshängeschild hast, musst du eh nicht viel Content liefern, selbst wenn du schreibst, dass du es magst wenn deine Rotze in der Nase hart wird und am Haar klebt, sodass das Rausziehen eines 4 cm langen Nasenhaares richtig zwiebelt, wird man likes und Freundschaftsanfragen bekommen. Da wird sich nicht beschwert wie eklig das sei, sondern es wird zu seiner Offenheit und zum Humor, den man besitzt, gratuliert.

Als letztes Phänomen, welches einen zum Schmunzeln bringt, habe ich die hyperkonkretisierten Gruppen registriert. Klar gibt es regional bezogene Gruppen und auch Gruppen die Körpermaßen beinhalten (Mollige Sie sucht dünnen Er) sind keine Seltenheit, aber es gibt dann auch noch einen kleinen Teil der Bevölkerung, deren Detailliebe nicht vor Gruppennamen zurückschreckt und so entstehen Namen wie „Männer mit Glatze und Tattos und Frauen die darauf stehen“ oder „Singles mit Kind und Hund“

Facebooksinglegruppen.

Einen Partner zwischem dem ganzen Trash ausfindig zu machen scheint schier unmöglich, sofern man ein paar Ansprüche an den Tag legt. Oft kommt man sich eher vor wie beim Schrottwichteln der Geschlechter, aber zu meiner Unterhaltung haben sie jedenfall super beigetragen. Vorrausgesetzt man Mag Trash als Unterhaltungsmedium (Ich mag auch Frauentausch :D).

ficki

2 Kommentare zu „Über die seltsame Eigendynamik von Singlegruppen auf Facebook“

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