Wahrheit oder Fiktion: Mädelsabendedition

Manchmal fügt sich das Schicksal so glücklich, dass ein Wesen mit Menstruationshintergrund Räumlichkeiten zur Verfügung hat und diese nutzt um einen Abend nur mit Gleichgeschlechtlichen zu Vebringen: Der Mädelsabend ist geboren.

Findet das Event am Sonnabend statt, flattert zumeist eine Einladung, die auf dem guten französischem Briefpapier sorgsam von Hand festgehalten wurde, gegen Mitte der Woche in unsere Hände. Extra zusagen ist nicht nötig, denn alle arbeiten in perfekten Jobs ohne Schichten und haben ohnehin noch nichts vor. Samstagsabends steht dann eine Gruppe von Frauen vor der Tür der Ausrichterin, die eine Hälfte trägt rosa Negligees und die andere nur Push Up BHs  und die farblich passenden Stringtangas. Der ganze Abend findet sowieso nur auf einem weißem Himmelbett statt, welches mit hunderten von Dekokissen ausgestattet ist, die man selbstverständlich für die obligatorische Kissenschlacht braucht. Federn fliegern in Zeitlupe durch die Luft und laut kichernden Fraungesang untermalt das  ganze Szenario. Champagner fließt in Strömen und auch kleine kalorienfreie Cupcakes und Sushi wird in Hülle und Fülle gereicht und verzehrt. Nachdem sich alle gegeinseitig Zöpfe in die Schamhaare flechteten und jeder an der anderen austestete ob vaginale oder klitorale Orgasmen besser sind, schlafen alle Arm in Arm zusammen ein und kleine niedliche Hundewelpen schlafen am Bettfuß.

Die Straße runter findet am gleichen Abend auch einen Frauenabend statt. Nach intensiver fünfwöchiger Whatsapp-Planung, bei der erst der Veranstaltungsort geändert wurde, in letzter Minute aber doch wieder ins ursprüngliche Haus verlegt wurde und die Hälfte kurzfristig absagte, kann dem Abend eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Der Dresscode wurde voher schon akribisch besprochen: „Lässig in Jogginghosen.“ Da die meisten Jogginghosen, die man besitzt, zu lässig sind (verwaschen, zu eng, löchrig, dreckig, mit Sperma drauf) und man so eher nicht von anderen gesehen werden möchte, fährt man zum Textildiscounter seines Vertrauens und schafft sich eine gute „Ausgehjogginghose“ an. Mit dieser im Gepäck (Auf keinen Fall vorher anziehen, man muss ja schließlich noch vom Auto zur Haustür) macht man sich auf den Weg zur Gastgeberin. Drei Minuten vor Erreichen der Behausung schreibt man, man seie gleich da und wiederholt dies sobald man vor der Haustür steht, ehe man doch klingelt.  In der Regel sind die guten Plätze auf der Couch dann schon belegt und man darf auf einem herrlich unbequemen Esszimmerstuhl oder auf dem Boden Platz nehmen. Kurz darauf dramatische Szenen: „Ist es okay, wenn ich den BH ausziehe?“, tönt die erste. Einstimmig werden Ösen gelöst und doppelläufige Schneeballschleudern durch  Ärmel gezogen und in der Handtasche verstaut. Es wird einen superedelen Sekt kredenzt, aber Eine ist immer dabei, die „nur ganz Süßen“ mag und deswegen zufällig eine Flasche von Aldis prickelstem Hugo mit sich trägt. Bei der Filmauswahl zerbrechen fast Freundschaften, denn eine der Gästinnen kennt den Film eh schon, eine andere mag den Schauspieler nicht und die dritte hasst das Genre. Hier ist übrigens egal, welches. Aber nun muss was zu Futtern her. Was soll der Lieferservice bringen? Döner scheint doof, denn selbstverständlich  ist ein Weib dabei, das gestern schon einen hatte. Asiatisch geht auch nicht, denn genau von diesem Restaurant hatte Person A schon einmal Durchfall, auch wenn es vor 3 Jahren war und der Besitzer nun ein anderer ist. Man hatt ja so seine Prinzpien.  Sowieso ist immer eine Alte dabei, die gerade Diät macht und sich deswegen nur einen Salat mit Hähnchenstreifen gönnt . Während der Wartezeit wird akribisch ausgerechnet, wer was zu Zahlen hat und der Person, die die Haustür öffnet, in die Hand gedrückt. Das Essen kommt, wobei ein  Mädel entweder komplett vergessen wird oder ein falsches Gericht bekommt. Nach dem Essen, wenn die Bäuche voll sind müssen weitere Verhaltenregeln geklärt werden: „Stört es euch eigentlich, wenn ich rülpse?“. Einstimmig wird für die Befreiung diverser Verdauungsgase gestimmt und da Luft Luft ist, lässt das Pupsen auch nicht mehr lange auf sich warten. Nach anfänglichen geschockten Gesichtern wird letzendlich ein Wettbewerb daraus: Bewerungskriterien sind Geruch, Ton und Lautstärke. Mittlerweile frißt die Diätende sich durch alle Chips- und Gummibärchentüten, eine ist halb am Einschlafen, Person A hängt den ganzen Abend eigentlich nur am Handy und die Sektverweigerin hat ihre Mahlzeit mit der ganzen Flasche heruntergespült und ist angeheitert. Der letzte Film ist noch nicht zu Ende geschaut, als die Gastgeberin erste Aufräumanstalten macht. Wie von Zauberhand sind die Hosen wieder gewechselt und die Melonhalter an der für sie vorhergesehenen Stelle. Hinterlassen wird nur eine große Staubwolke gepaart aus Joghurtgums und Cashewresten.

 

Aufgabe für Sie: Ordnen Sie den Erfahrungsberichten die richtigen Wörter „Wahrheit“ und „Fiktion“ zu.

ficki

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