Erwachsensein ist das neue „Deine Mudda“

Ich habe letztens in der kuriosen Welt des Internets gelesen das die frühen Zwanziger wie ein Computerspiel sind, in denen man das Tutorial ausläßt und sich total verwirrt, wahrscheinlich noch in der höchsten Schwierigkeitsstufe, durch die Level kämpft. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dies treffe momentan überhaupt und gar nicht auf mich zu.

Ich sitze gerade im Aufenthaltsraum im Krankenhaus, meine Schwester wird operiert. Da es sich um eine Frauenklinik handelt, werden andauernd kleine süße Knuddelbabies in Glaskästen an mir vorbeigeschoben.

Es ist noch gar nicht solange her, da versuchte mich ein Mann, mit dem ich mal vor einigen Jahren was hatte, zu aktivieren. Im vorgeschlechtsaktlichen Smalltalk erzählte er mir, das er nun auch Papa wird, sich auch total freut aber sein Liebesleben leider total auf der Strecke bleibt.

Alle denken jetzt „Was für`n Arsch“. Ich auch. Ich habe es ihm aber nicht gesagt, sondern eine etwas höflicher formulierte Abfuhr erteilt.

Seine Antwort brachte mich zum Grübeln: „Oh je. Du bist ja total Erwachsen geworden. Früher warst du so erfrischend unvernünftig.“

Mein erster Gedanke dazu war, das man mit 24 auch ruhig mal Erwachsen sein kann und mein Gegesnspieler mit 11 Jahren voraus (und verheiratet!) dies wohl noch nicht ist. Seine Antwort traf mich dann aber doch mehr als mir lieb war und so musste ich mir, gezwungenermaßen, Gedanken zu diesem Verhalten machen:

Erwachsen sein, das wollen wir doch alle. Als Kind, als Teenager und auch ich als Fast-Mittzwanziger möchte es sein. Aber was definiert ob wir erwachsen sind oder nicht, wo ist die Grenze? Meine Gedanken werden von einem lauten Schrei unterbrochen, der im Unterton dennoch winzig wirkt. Ein Frühchen wird über den Gang geschoben. Das zum Beispiel ist Erwachsen sein, Verantwortung zu übernehmen. Es hat nichts damit zutun ob ich Sex mit ihm haben will oder nicht und er hat kein Recht nach ein paar Wortfetzen festzustellen, in welcher Phase meines Lebens ich stecke. Das sind zwei paar Schuhe.

Ich empfinde es fast als beleidigend, mir zu unterstellen, „Erwachsen“ zu sein. Nicht weil ich es nicht sein möchte, sondern weil er es mit sexuellem Desinteresse  verknüpft. Als sei ich früher eine notgeile weibliche Form von Peter Pan gewesen.

Erwachsen ist also ein Synonym für Verantwortung. Die Buchstabenkonstellation läßt mich erschrecken. Ich, die letzens  ihrem bestem Freund Pfandflaschen im Wert von 23 Euro mopste und sich davon Haarfarbe und Pombärchips kaufte. Ich habe schon Katkteen verdursten lassen. Ich bin nicht plötzlich reifer geworden, weil ich einen 35-Jährigen baldigen, verheirateten Vater ablitzen lasse. Ich bin normal und bei geistigem Verstand.

Anderer Fall, andere Person, selbe Wortwahl. Ich hatte mal einen… wie nennt man Leute, mit denen man ewig schreibt, aber nie die Intension hatte sich wirklich zu treffen? Nennen wir ihn Zeitvertreib. Der Zeitvertreib und ich standen lange in engem Kontakt und er fand es witzig, für meinen besten Freund einen Spitznamen zu erfinden, der sehr beleidigend war. Ein paar Tage davor erzählte ich ihm von meinem Ausflug auf die Buchmesse mit einem Autor und dass ich mich derzeit mit einem Arzt treffe. Ich bat ihn, zukünftig die Beleidung meines besten Freundes zu unterlassen, worauf er meinte „Du datest nun Doktoren udn Schriftsteller, dann sei eben so erwachsen und toll.“

Selbes Schema. Wenn du mich beleidigen willst, dann tu es und versuch nicht durch die Blume mir eine Verschlechterung meines Charakters vorzuwerfen. Du winkst mir auch nicht mit einem Zaunpfahl, denn du stellst dadurch dich als der Unreifere da und das klingt nun ziemlich mies oder?

Verwechselt bitte nich normales Verhalten (werdende, verheiratete Väter die ihren Schwanz in 95% Saarbrückens  Huren hatten abweißen und für Freunde einstehen sowie den guten Freundinnen keinen aktuellen Schwanzbericht vorlegen) einer Person, die früher mal dumm, naiv und Aufmerksamkeit durch Sex suchte mit Erwachsen sein.

Das beleidigt nur die wirklich Erwachsenen. Ich bin raus, Frühchen anschauen.

ficki

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Mysteriöse Singlekreaturen im Supermarkt und wo man sie findet

Ich musste heute ungewollt sehr viel Zeit im SB-Warenhaus meines Vertrauens verbringen, welche ich für eine Feldstudie nutze
um verschiedene Personen, die sich dort alleine aufhielten, zu kategorisiern:

1) Rolltreppenrenner-Ricarda

Es gibt nichts ärgerlicheres: Du stehst entspannt auf der Rolltreppe da heute dein freier Tag ist und du ihn mit gemütlicher Bummelei im Konsumtempel deiner Wahl verplempern willst, da streift dich ein hecktisches Etwas und huscht an dir vorbei, dieses Phänomen gibt es allerdings nur Rolltreppe abwärts, Rolltreppe aufwärts jemanden überholen habe ich noch nicht gesehen. Sofort denke ich von mir selbst, das ich ein scheiß faules Stück bin, da lasse ich mich schon vom Boden unter mir transportieren und bringe es noch nicht einmal auf die Reihe, mich mitzubewegen um einen sagenhaften Beschleunigungsprozess zu erreichen und 2 Sekunden meiner kostbaren Lebenszeit zu sparen.
Hauptberuflich sind solche Menschen übrigens Instagram-Lifecoaches oder haben ein Start-Up Unternehmen für umweltfreundliche Bierkisten.
Liebe Rolltreppenrenner, ihr macht das ich mich schlecht fühle und deswegen seid ihr für mich die roothaarigen Strebebratzen aus der 3. Klasse,
die keiner damals mochte.

2) Instaveganer-Isabella

Toll, auf deine #vegane #Waffel wurde mit verkackter #Agagasoße dein Name geschrieben. WOOOOOOAAAW!
Mein fünfter Geburtstag hat übriens angerufen, er will seine Idee zurück. Ich habe mir schon oft gesagt: „Nein Nina, heut kein Veganerbashing,
jedem das seine, ich mag Tiere auch (#rumpsteak #medium), wieso sich nicht für die kleinen, pelzigen, saftigen, noch-besser-mit-verlaufener-
Kräuterbutter Lebewesen einsetzten. Aber muss ich den Selfies mit einer Avocado, die ich eben im Angebot fand und die den scheinbar
perfekten Reifegrad hat, machen? Muss man definitiv, wenn man sich zum Spaten der Gemüseabteilung machen will. Am besten liebe
Instaveganer-Isabella, schickst nur noch ein paar Snaps zur Peta Community vom Kühlregal mit der neusten Veganersalami.

3) Assi im Anzug-Andy

Hallo Andreas, du feiner Kerl. Im Anzug, da du bei der Sparkasse im Untergeschoss arbeitest oder an der Rezeption in der Absteige gegenüber.
Du kannst mit dem Anzug zwar deinen dünnen, knochigen Arsch verstecken, aber nicht das du im Inneren ein ziemlicher Assi bist.
Das verrät nicht nur deine Duftwolke aus Schweiß und Bruno Banani, sondern auch deine Doppelten Augenringe, die Margertiapizza und
das Öttinger, das du unter deine Achseln geklemmt hast. Deine Haare sind fettig aber grade noch so, das es als Wetlook durchgehen könnte
und so zockst du bis 3 Uhr Nachts Candycrush oder heulst dich in Singleforen aus. Andy, schlaf dich aus und geh duschen!

4) No-Distance Nico

Ich stehe an der Kasse und schaue hypnotisiert der Kassiererin zu, wie sie ein Artikel nach dem Anderen über den Scanner schleudert.
Ich weiß jetzt schon, das ich gleicht total überfordert bin, denn jeder der als Single mal seine Waren im Aldi in eine Tüte räumen musste,
hat wohl dieses Hochgeschwindigkeitstrauma erlebt. Aus meiner Tetristütenplanung wirft mich ein Lufthauch, der eiskalt meinen Hals streichelt.
Ich möchte mich umdrehen, um dem Grund dieser überraschenden „Erfrischung“ nachzugehen. Dies scheitertert aber wegen Platzmangel. Persönlicher
Raum? Fehlanzeige. No Distance Nico steht press an mir und wenn ich es nur wage einen Schritt nach vorne zu gehen, folgt er mir. Ich
ziehe mein Handy aus der Tasche und tippe: „An der Kasse hinter mir steht gerade ein megaufdringlicher Typ“. Ich merke das er mir über die
Schulter schaut, aber kein Problem damit hat. Die Pro-Version von No Distance Nico ist übrigens Haxen-Helga, die schon merkt das sie einem
in die Füße mit ihrem Einkaufswagen fährt, aber trotzdem denkt es ginge dadurch schneller. Nico schickt übrigens Whatsappnachrichten mit dem
Inhalt „Mhhhh“ „Noch da?“ und „Ja so ist das“.

5) Rewe-Robin

Rewe Robin ist in der Regel Mitte 30 und arbeitslos. Er erscheint zwischen 19.00 Uhr und Ladenschluß und zahlt oft die minimalsten Beträge
nur mit Karte. Er könnte sich ewig zwischen Quarkspeiße und fettreduziertem Joghurt aufhalten und über die Vorzüge von Weidebutter schwärmen,
denn Robin gibt sein ganzen Geld nur für Essen, welches er sich eigentlich nicht leisten kann. Er klotzt mit goldenem Muskateller,
Proscutto Cotto und Cranberryessig. Er hat jeden zweiten Tag ein Tinder Date, die er meistens nur zum Bleiben bewegen kann, indem er ein
Lockmodul vor seiner Haustier aktiviert. Robin, such dir einen Job.

 

 

Die Chroniken einer ziemlich ekligen Trennung

Hallo liebe Leserschaft.

Ich bin haargau seit einem Jahr Single. Es geht mir heute blendend,
aber damals war eine ziemlich heftige Zeit und jeder, der schonmal eine Trennung durchlebte, weis wie eklig das anfühlt.

Ich habe damals in den ersten Wochen Tagebuch geschrieben. Irgendwann verflog der Drang. Ich habe es heute, quasi zur Feier des Tages rausgekramt und darin gelesen. Gerne teile ich meine Gedanken aus dieser Zeit mit euch, allerdings wäre es mir zu platt gewesen, dies einfach nur tippen und so kam ich zu dem Entschluss, euch ein paar Eintrage vorzulesen. Natürlich möchte ich erwähnen das ich weder ein professionelles Mikrofon habe und zurzeit, wie auch damals erkältet bin. Nun gut, vielleicht macht es dies ja ein wenig realistischer. Viel Spaß beim Hören!